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Inside Nosing Around

Der Zufall will es so, dass heute zwei Ereignisse zusammenfallen: Der neunte Geburtstag meines Blogs bringt zugleich den 500. Text mit sich. Ja, das ist Nummer 500, gerade bei dir am Monitor von PC, Laptop, Tablet oder am Smartphone! Der doppelte Feieranlass ist so einmalig, dass ich mir dachte, ihn mit einer kleinen Backstage-Führung durch „Nosing Around“ zu begehen. Herzlich Willkommen also dazu!

Ich beginne beim Namen des Blogs, der nimmt Anleihe bei einer Forschungsmethode und überträgt sie in eine vielfältig auslegbare Handlungsebene. Die Quelle hierfür ist der soziologische Ansatz der sogenannten Chicagoer Schule, frühe Stadtsoziologie (ich folge Rolf Lindners zeitlicher Definition von 1920 bis 1935) um Leute wie Robert Ezra Park, William Isaac Thomas und Ernest W. Burgess, teilnehmendes Beobachten und beobachtendes Teilnehmen. Ich mag seit jeher diesen wissenschaftlichen Ansatz, und ihn als eine Art Überbau meines Bloggens zu verwenden, lag darum irgendwie nahe.

Die Idee für den Blog an sich entstand im Sommer 2015 während eines Städtetrips nach London, Text Nr. 1 packt eine immer noch wertvolle literarische Erfahrung aus dieser Reise in ein paar Zeilen und auch sonst ging es Woche für Woche (Erscheinungstag ist ja immer sonntags am späteren Nachmittag) durch vieles, was man als Zeitzeuge eben beobachtet bzw. woran man teilnimmt. Mit Nr. 24 ging es nochmals zum Konzert von Wanda in der Kirche der Justizanstalt von Garsten, in Nr. 53 per Bahn in den montenegrinischen Norden (übrigens einer meiner „longseller“, seit Jahren wird dieser Text immer wieder aufgerufen). In Nr. 184 schreibe ich eine Reportage über die Spurensuche, auf die sich meine Tochter und ich im Februar 2019 mit dem Beatles-Cab in Liverpool gemacht haben, in meiner Erinnerung irgendwie, als wäre es erst gestern gewesen.

In Nr. 213 schwimmen Trainingsbuddy Birgit und ich in der Vollmondnacht Mitte August 2019 zwei Kilometer in der Neuen Donau von Wien. In Nr. 246 traf ich das Coronavirus zum Interview. In Nr. 395 klingt der Urlaub am Bohinjsko Jezero (Wocheiner See) in Slowenien wie ein beschriebenes Hörspiel nach. In Nr. 408 erkläre ich meinen Boykott der Fußball-WM in Qatar.

Es gibt ja geradezu nichts, was sich meinem „Nosing around“ entzieht, und natürlich ist die Auswahl aus 499 Texten hier sehr subjektiv (und alle 499 sind auch nicht mehr online, ein paar, die sich doch zu sehr auf nur temporäre Anlässe bezogen haben, sind aus der Verfügbarkeit des Internets auch wieder verschwunden, ich habe sie gelöscht).

Wie arbeite ich? Nach Plan, einerseits. Ich arbeite mit einer Exceltabelle, in der ich auch meine Ideen sammle (und genug davon wieder verwerfe, aktuell sind es ca. 250 Ideen) und ich modelliere da immer in etwa 50 Wochen voraus, was im Blog erscheinen soll, also quasi ein Blog-Jahr (zu Weihnachten ist ja immer zwei Wochen lang Pause). Andererseits lasse ich mich durch den Alltag treiben, der mir eine Welt öffnet, die ich wahrnehme und der ich in kleinen Texten die Referenz erweise, schon auch mit literarischem Anspruch, etwa wie in Nr. 367 oder 394 oder 431 oder 448.

Das treibt mich an, und natürlich sind jene Texte, die mir sehr am Herzen liegen, nicht unbedingt jene, die den vielleicht doch stärksten Zuspruch finden. Das regelt nämlich ihr, die ihr klickt und lest. Oder auch nicht klickt und nicht lest. Ihr überrascht mich immer wieder und ich lasse mich sehr gern von euch und eurem Rezeptionsverhalten überraschen.

Ich danke für Freundschaften, die im Hobby Bloggen entstanden sind, Kontakt zu Frauen und Männern, die diesem Hobby ebenso frönen. Auch grenzüberschreitend, ich mag den Austausch, die wechselseitige Wertschätzung, die Achtsamkeit. Es ist wunderbar, und ich bitte darum, es weiter so zu halten, mindestens für die nächsten 500 Texte.

Peter Klimitsch, 25.8.2024

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