Sport

Finster war´s, der Mond schien helle

Als knapp 200 Schwimmer kurz vor dem Start gebeten werden, ihre beleuchteten Rettungsbojen für ein Foto in die Höhe zu halten, ist am „hot spot“ des Vienna City Beach Clubs (VCBC) schon viel geschehen. Wir sind zu Station 3 unserer vierteiligen open-water-Schwimmwettbewerbe-Tournee durch die Staus auf Österreichs Autobahnen am „falschen Freitag“ (15. August: Feiertag Mariä Himmelfahrt) angereist. Wir haben fürs „1. Vienna Vollmondschwimmen“ eingecheckt, gegen Kaution die verpflichtend nachzuschleppende und mit Leuchtdiode ausgestattete Rettungsboje ausgefasst, ebenso die Startersackerl und die Badekappen.

20190814_194117-minAm Ufer der Neuen Donau herrschte in der untergehenden Augustsonne schon etwas Gerangel um die besten Plätze, nicht unbedingt goutiert von jenen, die sich im VCBC im beschleunigten Beat-Regen duschen wollten, während sich zuerst die Schwimmer der Pro-Serie (eine achtköpfige Männerrunde) und dann die Kinder für ihre Distanzen bereit machten. Die Sonne sank, die Luft wurde kühler, das Wasser blieb warm. Neopren war dennoch erlaubt (die Wassertemperatur bei 23,5 Grad liegt deutlich unter der reglementierten Neo-Grenze von 24,9), für Birgit und mich somit gute Gelegenheit, nach zweieinhalb Monaten ohne wieder mit zu schwimmen. Unser kommendes Saisonhighlight kennt eine Neopren-Pflicht – Zeit, sich wieder daran zu gewöhnen. Der Nachteil der Location: Umziehen geht nur im oder am Auto, du stehst also da und arbeitest dich in deine Neoprenhaut hinein und zig Parkplatzsuchende fragen dich, ob du wegfährst (ganz klar, wer setzt sich nicht im Wetsuit hinters Lenkrad? Oh Vienna!).

20190814_185156-minDas Bild vorm Start ist eindrucksvoll für sich. Zwei Kilometer waren zu bewältigen, in zwei Rechtecken zu je 400 Meter Länge und 100 Meter Breite, in die Neue Donau mit ebenfalls beleuchteten Bojen markiert. Birgit und ich vereinbarten eine „buddy-challenge“, das heißt: wir schwimmen Seite an Seite auf Konstanz im Sinne eines Trainings für Langstrecke, darin sind wir erprobt, und ich war schwer in ihrer Schuld, weil mir bei unserem letzten Wettbewerb die Seepferdchen durchgegangen sind und ich losgeprescht bin.

Schwimmen in fast finsterer Nacht: Sicht nahezu null, schummrige Schwimmbojen vor und hinter einem, etwas besser leuchtende Markierungsbojen, und bei Querung eins für mich als nach links atmenden Krauler Blick in den Vollmond-„Scheinwerfer“ im Osten, ebenso beim Orientierungsblick auf Länge zwei. Es hat etwas und zugleich ist es sehr grenzwertig. Birgit kämpfte mit ihrer sich immer wieder beschlagenden Schwimmbrille. Am Beginn des zweiten Kilometers hatten wir dann beide Krämpfe (ich weiß für mich, warum ich den meinen im linken Unterschenkel bekommen habe, selber schuld). Ich bin immer noch meinem Trainer Reini dankbar, dass wir im Becken in der Halle die Krampf-Erfahrung durch forciertes Training machen durften: das lässt mir zu, in der Situation richtig zu handeln. Obwohl und wie immer: Schwimmwettbewerbe sind top abgesichert, ein großer Dank gebührt den Kräften, die sich in den Dienst der Sicherheit von uns Sportlern stellen. Leise glitten die Boote der Wiener Wasserrettung begleitend durch den Wettbewerb. In der Reflexion des minimalen Lichts an Bord sah ich die rot-gelben Uniformen jener, die auf uns ihre hütenden Augen gerichtet hatten.

Wir schwammen die Distanz dieses Mal ohne Anspruch auf Zeit (und nur der Vollständigkeit halber: 56:21 für Birgit, 56:01 für mich), freuten uns über die Stimmung, das Coaching und Anfeuern unserer Freundinnen, die extra wegen uns gekommen waren. Kurz nach 23 Uhr verließen wir den Wettkampfschauplatz. Aus den Lautsprecherboxen sang Freddy Mercury zu Recht für uns „We Are The Champions“. Birgits Neopren hat als Farbelement hellblau, meiner rot. Ich erhielt für den Bewerb eine hellblaue Badekappe, sie eine rote. Somit beendeten wir Station 3 mit einer Geste aus dem Fußball, und zwar im Sinn eines in sich stimmigen Stylings beim Schwimmsport: Badekappentausch!

Unsere nächste und für 2019 letzte Wettkampfstation: 24. August, 4,2 Kilometer Fuschlsee-Crossing.

Fotos: Nachtaufnahme von Renate Schwarzmüller (mit herzlichem Dank für die Genehmigung, sie hier verwenden zu dürfen!)

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