Mobilität

Pendler-Perspektiven

Seit fünf Wochen bin ich Pendler und ich bewege mich aus Zeitgründen per Auto durch den Individualverkehr. Es sei mir zwar mit öffentlichen Verkehrsmitteln zumutbar, so diagnostizierte das Formular, mit dem ich mit meiner beruflichen Veränderung die Pendlerpauschale beantragt habe, automatisch.

In Treue zu meiner kritischen Distanz zu allen automatisierten Denkprozessen frage ich mich schon, ob dabei auch das Zeitbudget gewichtet worden ist. Im staulosen Fall brauche ich mit dem Auto 45 Minuten. Pro Richtung natürlich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln würde ich hingegen knapp zwei Stunden unterwegs sein, zwei- bis dreimal Umsteigen inklusive. Die direkteste Verbindung von Wohn- zu Dienstort ist zum notwendigen Zeitpunkt meines Aufbruchs für einen pünktlichen Dienstbeginn gar nicht verfügbar. Das steht also alles in keinem Verhältnis und scheint als Übel Grund zu sein, warum die Straßen voll sind, morgens wie abends.

Im Studium des Fahrverhaltens meiner Mitpendler und auch der infrastrukturellen Bedingungen, in oder auf denen wir uns bewegen, wächst seit Anfang September ein Katalog an Fragen heran, hier nur vier daraus:

  • Wie kann es sein, dass trotz jährlicher Überprüfung von Personenkraftwagen auf ihren technischen Zustand und auch auf ihre Emissionswerte ich täglich mindestens (keine Übertreibung!) hinter zehn Autos unterwegs bin, aus deren Auspuffen unaufhörlich die schwärzesten aller Wolken qualmen?
  • Was treibt Leute an, waghalsig zu überholen, nur dass wir uns dann an der nächsten ampelgeregelten Kreuzung wieder treffen? Der Überholende mit etwas längerer Wartezeit als ich, der ich gerade risikominimiert fahrend hinzukomme?
  • Was steckt hinter dem Verkehrskonzept von Linz, dass man auf allen Routen durch die Stadt, egal ob auf sogenannten Hauptverbindungen aus Süden in Richtung Norden oder in Querungen von Westen nach Osten – und natürlich auch immer umgekehrt – durch die Stadt mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit fahrend an jeder ampelgeregelten Kreuzung wegen Rot anhalten muss? Haben die für die Verkehrspolitik der Stadt Zuständigen jemals etwas von telematischer Verkehrssteuerung (zumindest) gehört?
  • Müssen SUV-Lenker beim Einparken in Tiefgaragen gefühlte zwanzig Vor- und Zurücksetzmanöver benötigen, dabei den Ein- und Ausfahrverkehr blockieren, um das Überdimensionale ihrer Fahrzeuge in Szene zu setzen, bevor sie die breiten Karossen, nach allen Seiten ohnedies sensorunterstützt, in die Parklücken manövrieren?

Wer Antworten hat: wir alle lesen diese sehr gerne als Kommentare zu diesem blog-post.

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