Medien

Fernsehnostalgie – Ein kleiner Schritt für einen Menschen

Im zarten Alter von zwei Jahren und knapp drei Monaten kümmerte mich reichlich wenig, was die Menschheit in den Tagen ab 16. Juli 1969 in Atem hielt. Amerika schickte Apollo 11 ins All, mit dem Ziel, dass erstmals ein Mensch seinen Fuß auf den Mond setzen soll.

In diesen Tagen erinnern wir uns an das Ereignis, das sich vor 50 Jahren in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingetragen hatte: es war ein kleiner Schritt für ihn, ein Sprung für die Menschheit, so sprach Neil Armstrong seinen Satz für die Ewigkeit, als er seinen „moonboot“ in den Staub setzte.

An einem spannenden Themenabend entführte das Programm des Österreichischen Rundfunks (ORF) am vergangenen Dienstag in die Geschichte. In seinem Mittelpunkt stand die von Günther Mayr und Kurt Schmutzer gestaltete Dokumentation „Mit Puls 160 zum Mond“. Das besonders Feine an der dokumentarischen Nacherzählung lag darin, dass die Einbettung der Bilder der Mission in einen politischen und auch mediengeschichtlichen Kontext erfolgte. Günther Mayr, Leiter der Zeit-im-Bild-Wissenschaftsredaktion, enthüllte zudem im Studiogespräch, dass die Archive besser mit Material bestückt sein könnten, wären nicht MAZ-Bänder (die in den sechziger Jahren sehr teuer in der Anschaffung gewesen sind) überspielt worden. Selbst die NASA sei dieser Praxis gefolgt.

Und doch vermittelte die Dokumentation die Stimmung des Mond-Hypes im „summer of 69“ und insbesondere das Medienereignis. Erstmals übertrug der ORF live, ganze 28 Stunden und 18 Minuten lang, noch ohne Endlosschleifen bereits bekannter Bilder, dafür mit viel im Studio herumgereichten Gespräch und dem rhetorischen Auskosten winzigster Details zur Gestaltung von Sendeminuten. Peter Nidetzky, Hugo Portisch und Othmar Urban stellten sich unterstützt von Dr. Herbert Pichler als Experten sowie von zwei Dolmetschern, die die Funkkommunikation zwischen Eagle, Astronauten und Houston belauschten, der Aufgabe, aus den wenigen Ereignissen in den Nachtstunden vom 20. auf 21. Juli so viel zu machen, dass die österreichische Bevölkerung das Live-Erlebnis des Mondspaziergangs zuerst von Armstrong, dann von Aldrin um 3:56 Uhr MEZ erwarten konnte. Da befiehlt die Nervosität des Moderators seinen Fingern dann schon einmal, das Feuerzeug auf der vor ihm liegenden Zigarettenpackung in Drehbewegung zu halten.

Zu kurz kam in der Dokumentation einmal mehr das Verdienst des dritten Manns, Michael Collins, der mit der Kommandokapsel in der Umlaufbahn blieb, während die beiden Kollegen den Mond betraten. An ihm definiert sich der team player schlechthin, das Scheinwerferlicht der Geschichte findet ihn zu selten. Collins war, abgesehen vom technisch heiklen Punkt, ob das Triebwerk von Eagle zündet und das Ankoppeln von Fähre und Kapsel funktioniert, die quasi personifizierte Rückflugkarte. Laut seiner Biografie auf Wikipedia hatte die NASA ihm angeboten, in der Apollo-17-Mission selbst den Mond betreten zu können. Er lehnte dies ab.

Bild: © NASA/ORF – „screen-shot“ vom Fernsehbildschirm in meinem Wohnzimmer aus der Doku: der Leidenschaft für Raumfahrt geschuldet, dass meinen blog-post einfach ein Motiv der Apollo-11-Mission zieren muss 😉

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