Essen & Trinken

Nedfü

Heute endet der Frühling, wenn man Meteorologen Jahreszeiten bestimmen lässt. Für die Frühjahrsausgabe dieses Jahrs 2026 melden die Fachleute Trockenheit wie noch nie zuvor in der 169-jährigen Messgeschichte. Denn der Sommer ist in den vergangenen zwei Wochen schon so (rasch) gediehen, da ist geboten, den Blick einmal dorthin zu lenken, wo dann die Jahreszeit anderes Handeln nahelegt: in die Küche.

Mitte Mai noch verlangten Körper und Gusto nach kräftig Wärmendem, denn draußen wurde das Thermometer sehr pünktlich zu den „Eisheiligen“ zart zweistellig (über Null, ganz klar). Die Unwirtlichkeit außerhalb der eigenen vier Wänden ließ innerhalb dieser auf Wärme von Heizung und Herdplatte setzen. Töpfe wurden erhitzt, vorbereitete Zutaten wollten sich in Saft oder Sauce binden lassen. In der sämig flüssigen Umgarnung der Speisen, auch vielleicht mit schärferen Gewürzen speichert sich die Hitze, bestens geeignet, dem Körper auch von innen Wärme zuzuführen.

Mit der rasant gestiegenen Temperatur verändert sich das bei uns dann immer sehr rasch. Fast so wie man eines kalten Frühlingstags dann doch den Wintermantel ablegt und am nächsten Morgen mit dem Kurzarmhemd sein Bekleidungsauslangen findet, verwandelt sich die Speisekarte zu einer Ernährungsweise, die sich dem Klimawandel anpasst: Es gibt Salat, Tomaten, Gurke, ein bisschen Käse, ein bisschen Brot, Speiseeis (gerne vom Produzenten des eigenen Vertrauens #notspons). Das genügt dann schon, wenn Außenthermometer in der Nacht nicht mehr unter 20 Grad fallen. Damit ist alles gut. Freilich kennt dieses Menü minimalistische Variationen, in der Art des Salats, in der Art des gewählten Käses, der Art des gewählten Brots, in den Sorten des gewählten Speiseeises.

Bei uns ist der Sammelbegriff dessen, was wir dann „kochen“, gewachsen aus einem kleinen liebenswerten Dialogritual: eine Frage, und dann öffnet sich mehrdeutig philosophisch eine Welt des Möglichen, und das mit nur einer Ein-Wort-Antwort. Der oberösterreichische Mund bleibt hier karg, spart sich Um- und Ausschweifungen, er braucht nur zwei Silben. „Was willst du denn heute abends essen?“ – Antwort: „Nedfü“.

Nedfü* gibt den Menüs unserer Sommerabende einen Sammelbegriff, ein Wort wie eine Trademark. Sollten wir es uns schützen, es eintragen lassen? Dann wäre das Sternchen das falsche Symbol. Das Sternchen hat eine andere Aufgabe, es vermittelt zur Endnote des heutigen blog-posts:

* Gerne liefere ich hier die Übersetzung in Untertitelung für alle Noch-Nicht-Kundigen des oberösterreichischen Dialekts: „nicht viel“.

Foto: Nedfü in einer von vielen möglichen Erscheinungsformen

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