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Die „perfect“-e Endlosschleife

Ed Sheerans Album „Divide“, Anfang 2017 erschienen, ist in zweierlei Hinsicht ein Phänomen. Unbestritten ist der Brite ein Ausnahmemusiker und er hat ein Händchen für Songs, die in der Gegenwart breite Resonanz und große Beliebtheit finden. „Divide“ sammelt solche in reicher Zahl: dass ein Album allein so viele Charts-Stürmer entsenden vermochte und vermag, da muss man schon genauer in die jüngere Musikgeschichte schauen, um in unserer so schnelllebigen und Kunst auch verheizenden Zeit Vergleichbares zu finden. Ein einfach perfektes Produkt Musik also.

Ed Sheerans „Divide“ teilt durch den Dauereinsatz einzelner Titel in Radioprogrammen mittlerweile wohl die Fans in weiterhin Enthusiasmierte und Überfütterte

Wäre da nicht die Dauerbeorgelung durch einen Radiosender, dem ich mich, des parallelen Lebensalters wegen, verpflichtet fühle! Zwar hat die Senderleitung von Ö3, der „cash-cow“ des Österreichischen Rundfunks (ORF), sehr wohl erkannt, dass die stündliche Wiederkehr des Songs „Perfect“ (wie auch anderer) die geneigte Hörerschaft schon an die Grenzen freundlicher Treue zum akustischen Tagesbegleiter gebracht hat. Anfangs dieses Monats erklärte sich Ö3 eine Woche lang zum Radiosender der „offenen Türe“ und gemeint war damit, dass man als Hörer aktives Feedback, wohlwollendes wie kritisierendes, geben konnte. Da kam natürlich viel Lob, zumindest ging dieses auch sehr breit „on air“, mithin unterfüttert von produktiven Anregungen.

Eine darunter setzt das Radioprogramm nun auch um, nicht nachweisbar für meine Ohren, aber ich schenke der Ankündigung gerne Glauben. Kein Musiktitel im Programm wiederholt sich zwischen 8 und 16 Uhr. Aber davor? Und danach? Acht Stunden sind ein Drittel eines Tags. Freundlicherweise scheint nun die Kernzeitzone von Erwerbsarbeit vom Powerplay weniger Songtitel ausgenommen. Ich schätze ein, dass sich Menschen, die während ihres Arbeitens Ö3 hören (dürfen), schon ebenso unter der gefühlt dreifachen Wiederkehr von Sheerans „Perfect“ pro Stunde schmerzhaft gewunden haben.

Weil ich dem Sender einmal per e-mail eine Frage stellte, bekomme ich im vierzehntägigen Takt die Einladung, an einer Musikumfrage teilzunehmen. Ich mache das hin und wieder sehr gern, aus genannten Gründen, Ö3 und ich, wir sind ja gemeinsam groß geworden, wir haben uns auch gemeinsam verändert. Wir können darum also gemeinsam an uns arbeiten. Die Ausschnitte aus Songs, die bei so einer Umfrage zu bewerten sind, dürfen nach Kenntnis, Gefallen und ob man sie noch hören könne, beurteilt werden. Im Februar gab ich zuletzt „Perfect“ mit dem wirklich berauschenden Gefühl einer inneren Befreiung mein Häkchen, JA, ich kann ihn NICHT mehr hören. Bei der Einladung zur nächsten Musikumfrage hieß es dann gleich zu Beginn: „Hallo Peter! „Perfect“ von Ed Sheeran wurde erneut zum beliebtesten Song gewählt. (…)“. Irgendetwas läuft da falsch. Ich will bitte raus aus der „perfect“-en Endlosschleife!!

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