Bildung

Nur einmal im Jahr ist Malle (aber noch nicht für alle)

In Österreich kehren nun in drei Tagen Freiheiten zurück, die uns, die wir geimpft sind, schon längst zustehen. Sowohl Verfassungsrechtler Peter Bußjäger als auch Christiane Druml als Leiterin der Ethikkommission haben dies zuletzt (Salzburger Nachrichten, 8. Mai 2021) unmissverständlich klargestellt. Mit der Impfung sind die Gründe für Einschränkungen der persönlichen Freiheit im Sinne von Vorsorge für individuelles und allgemeines Wohl hinfällig.

Österreich öffnet am 19. Mai. Alles. Gleichzeitig. Das mag einem nach vierzehn Monaten Übung in erzwungener Bescheidenheit und Selbstkasteiung nach den Doktrinen immer verwirrender werdender Vorschriften übermütig vorkommen. Hotellerie, Gastronomie, Sport und Kultur sperren auf. An einem Mittwoch mitten im Mai? Es geht um drei Tage Vorlauf für das Pfingstwochenende und dem damit für den Tourismus sehnlich herbeigewünschten Umsatzregen in die ausgetrockneten Kassen seiner Betriebe.

Die noch wichtigere Frage aber lautet: Unter welchen Bedingungen werden Reisen im Sommer 2021 möglich? Wer gerne Urlaub auf und mit Sicherheit plant, muss umlernen. Die Pandemie kann sich binnen vierzehn Tagen neu dynamisieren und in Folge wiederum Regeln und Einschränkungen nach sich ziehen. Beim Reisen ins Ausland wirkt hier eine doppelte Herausforderung, denn es geht stets um zwei Bewegungen, eine hin und damit in die Erfordernisse tatsächlich national(!) bestimmter Konditionen, da erwarten eine und einen möglicherweise weiterhin Quarantänen, Testnachweispflichten und anderes. Und um den Reiseweg zurück in die Heimat: Aus manchen Ländern fällt die Rückkehr leicht, sie ist ohne weiteren Aufwand. Manche Heimreisen bringen Isolierungen und Teststraßenbesuche mit sich. Dafür leuchten Farben auf einer Landkarte, für die die ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) Daten auswertet und Länder grün, orange, rot oder gar dunkelrot einfärbt.

Vor wenigen Tagen wischte der Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich, Martin Selmayr, mit einem Satz vom Tisch, was man sich von der Union eigentlich erwarten dürfte, nämlich vielleicht doch ein Akkordieren der Staatengemeinschaft für unkomplizierteres Reisen von einem Land ins andere. Eigentlich grenzkontrolllos, zumindest im Schengenraum? Selmayr nahm die Erwartung für den Sommer 2021 weg, bis zum 1. Juli und auch danach wird es hier keinen Konsens geben, sondern einen „Fleckerlteppich“.

Der passt sinnbildlich auch gut zur Situation, wenn es nur Geimpften vorbehalten sein kann und wird, einen Urlaub im Ausland anzutreten. Wenn einzelne Länder, Fluglinien, Hotels auf Impfung Wert legen und diese als Bedingung definieren, werden Familien mit Kindern und Jugendlichen vor Zerreißproben gestellt. Opa, Oma oder auch die Eltern können am Ballermann in Mallorca einen drauf machen, Malle ist ja bekanntlich nur einmal im Jahr. Der Sommer 2021 aber schmeckt für Jugendliche nach einem Schuljahr mit viel Home-Schooling sehr nach Home-Holidaying. Über Instagram schicken Mami und Papi Fotos und Videos von geleerten Bierhumpen oder mit Strohhalm geschlürftem Sangria aus dem Kübel. Zumindest alle unter 16 sind ja vorerst ohne Aussicht auf Impfung, weil es in Europa noch keinen Impfstoff für diese Altersgruppe gibt. Einmal mehr hat hier eine Generation jene Karte mit dem hübschen Präfix gezogen, die im Schwarzweißfernsehen der Schiedsrichter bei Fußballspielen aus der Gesäßtasche der kurzen Hose herausfingerte.

Kinder und Jugendliche haben einfach keine Lobby. Der Politik aller Länder, nicht nur der, die den Sommertourismus für die Kassen ihrer Unternehmen dringend benötigen, schreibe ich darum heute hier ins virtuelle Stammbuch: Macht nicht auch noch diesen Fehler! Von heute an berechnet habt ihr acht Wochen Zeit für gute einfache Regeln, die Sommerferien mit Urlaub im Ausland (am Meer!) zulassen. Für alle. Und darum auch für jene, die sich in ihrem Wohl am wenigsten umsorgt besonders tapfer durch dieses (Schul)Jahr geschlagen haben.

Foto: Pexels/Free Photo Library

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