Gesundheit

Geimpft oder nicht geimpft?

Das ist nunmehr die alles entscheidende Frage. Der namhafte deutsche Virologe Christian Drosten machte vor elf Tage zweifellos fest, dass es nur zwei Alternativen gebe, die zur Immunisierung gegen das Coronavirus führen. Möglichkeit eins: die Impfung, Möglichkeit zwei: die Infektion. Drosten gibt diesem Wandel von der Epi- zur Endemie übrigens ein Zeitfenster bis Ende 2023. Das Coronavirus wird bleiben, die Menschheit zeigt sich ihm gegenüber dann gewachsen. Noch gibt es weiterhin Gruppen, die gefährdet sind zu erkranken, Spitals- und auch intensivmedizinische Betreuung benötigen werden. Allen voran muss man hier Kinder nennen, die Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen (!) zeigte in Österreich zuletzt die höchste Inzidenz!

Auf dem Weg zum Immunisierungsstatus unserer Gesellschaft befinden wir uns nun in operativen Schritten, uns deklarieren zu müssen. Seit 19. Mai hat das bislang nur als Dokumentationspapier gehandhabte gelbe Büchlein eine Ehre, die seinem Namen selten so gerecht war: Der Impfpass (eigentlich sogar „Internationaler Impfpass“) öffnet Türen, ebenso das Attest zum negativen Test bzw. der durchgemachten Erkrankung. Alle drei Varianten sind von unterschiedlicher Gültigkeitsdauer. Bald kommt ein „grüner Pass“, in Österreich in einer nationalen Variante vielleicht ab 4. Juni mittels Handysignatur, ab Juli dann eine EU-Lösung, die sich hoffentlich mit den Versionen der vorauseilenden Mitgliedsstaaten (Dänemark, Litauen, Österreich) in irgendeiner Weise kompatibel zeigt.

Vor einer Woche tauchte die arbeitsrechtliche Frage auf, ob eine dienstnehmende Person ihrem Vorgesetzten zu sagen habe, ob sie geimpft sei. Und ob dies, falls es nicht der Fall wäre, Konsequenzen haben, möglicherweise sogar eine Kündigung nach sich ziehen könnte. Franz Marhold, renommierter Jurist und Leiter des Instituts für Arbeits- und Sozialrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien, gibt dieser rechtlich eine Chance, denn er argumentiert mit dem Umstand, dass ein Dienstgeber die Verantwortung habe, seine Beschäftigten und Kundinnen und Kunden zu schützen.

Wir sind nun in einer heiklen Phase angelangt. Der Zwang zum Legitimieren des Gesundheitsstatus (genesen, getestet, geimpft) raubt uns ein Stück Privatheit, die wir für unsere Gesundheit bis zum Beginn der Pandemie im März 2020 hatten. Nun wird Gesundheit zur Währung für Freiheit. Mit Auswirkungen. Wer aus eigenen Stücken seinen Impfstatus öffentlich macht, trifft ja für sich eine individuelle Entscheidung. Zur Transparenz gezwungen macht es alle in ihrer ohnedies gläsernen Realität noch ein Stück mehr verfügbarer. Mir fehlen bis dato sichere Abgrenzungen auch vor Missbrauch dieser Transparenz, moderner gesagt: Sunset-Klauseln, die uns aus den Notwendigkeiten einer nunmehr deutlich in der Phase des Ausklingens befindlichen Pandemie bald auch wieder zurückgeben, was in demokratischen Gesellschaften einen konstitutiven Anteil dieser Staatsverfasstheit stellt, nämlich: Diskretion im Privaten.

Foto: Pexels/Free Photo Library

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