Vehicles in traffic jam on A10 Villach-Salzburg highway with alpine mountains in backgroundMobilität

Das liebliche Fest

Pfingsten 2025 schrieb sich mit einem interessanten Rekord in die Bücher der Tourismusgeschichte. Ein 46 Kilometer langer Stau bildete sich auf der Tauernautobahn, dieser beliebten Verkehrsader in Österreich, Nadelöhr auf dem Weg in den Süden. Ab Salzburg, wo sich aus Norden und Westen (Deutschland, Tschechien) und Osten (Österreich) die motorisierten Reisenden sammeln und einordnen, traf man sich zum gemeinsamen stundenlangen Stehen auf Asphalt.

Es sind zu viele zur gleichen Zeit unterwegs, immer, wieder. Dabei verstehe ich im Biorhythmus eines Schuljahrs und darum zu Pfingsten nur mit Sicht auf drei freie Tage (Samstag, Sonntag, Montag), in denen aber An- und Heimreise für den Kürzesturlaub untergebracht werden müssten, nicht, warum man sich das antut. Eingeräumt sei: Die Anreise lässt sich auf einen gern in der Arbeitszeit verkürzten Freitag vorziehen.

Und doch: Die (freiwillig räumlich und unfreiwillig dann zeitlich) langen Wege gehen zu Lasten des Zeitbudgets für den Urlaub an sich. Würde ich direkt von der Arbeit kommend Stunden im Stau zubringen, verlängert sich dadurch meine Regenerationszeit nach Ankunft immens und ginge sogleich ins Vorausfiebern über, wie viel Zeit und Energie ich denn in den gleichen Weg zurück wohl investieren werden müsse. Das, was also zwischen An- und Rückreise unter diesen Bedingungen übrigbleibt, tendiert gegen Null. Darum lasse ich es und schaue mir am Pfingstwochenende, das schon immer zu den reisestärksten und früher zu jenen gehörte, an denen die meisten Opfer im Straßenverkehr zu beklagen waren, aus der Ferne das Verhalten des homo kurzurlaubiensis an.

Mein Humor nährt sich dabei aus „coincidences“, wie es im Englischen viel schöner heißt. Herr und Frau Österreicher reisen zu Pfingsten sehr gerne nach Lignano für ein Event, das dort den Titel „Tutto Gas“ trägt. Bis sie dort sind, ist das mit dem „tutto gas“ auf den Straßen nicht so wirklich in Umsetzung zu bringen. Es ist eher „tutto riposo“ (alles Stillstand).

Preisen wir also diese Kultur des Reisens klassisch literarisch und lassen wir Goethe heute darum dichten: „Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen; es stürmten und flüchten, Frau und Mann, auf Straßen und Tour´n, in Autos und Campern, übten sich in Geduld als neuermunterte Reisende, Jeder Highway sproßte von Wolken in duftenden Gasen. Festlich heiter glänzte die Schlange und farbig alles Blech.“

Foto: KI-Bildgenerator (Jetpack Image Editor), prompt „traffic jam on an Austrian alpine highway with caravans and camper vans, all driving in the same direction.“ (Dennoch verzichtete die KI nicht auf Geisterfahrer!)

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