Medien

Kein Sommer wie damals

Mit dem Monatsletzten im August, konkret morgen, ziehen die Meteorologen ihre Sommerbilanz. Sie werden zum Sommer 2020 zusammenfassen, dass ihm die längeren Hitzeperioden zwar gefehlt haben, er dennoch im langjährigen Temperaturmittel zugelegt hat. Der Klimawandel schreitet voran, nicht aber der Aktionismus, der auf ihn aufmerksam macht.

In der Pandemie wurde es sehr ruhig um das Gesicht der globalen Bewegung. Am vergangenen Dienstag erschien zu Greta Thunberg eine Meldung, zwischen den Zeilen klang diese schrecklich resignativ. Greta Thunberg geht nach ihrem Jahr Auszeit wieder in Schweden zur Schule und sie zeigt sich darüber sehr glücklich.

Medienmeldungen wie diese gaben diesem Sommer 2020 seinen abstrusen Charakter, ein Sommer, von dem wir uns in Bälde wünschen müssen, dass keiner so wiederkehren mag wie damals, als …

… man Reiserückkehrern aus Kroatien oder von den Balearen PCR-Tests gratis anbot, während Heimkehrende aus anderen Ländern und Risikogebieten für ihre Testpflicht in die eigene Tasche greifen mussten (Kostenpunkt: 130 bis 170 Euro pro Test). Ausgenommen all jene, die in Wien ihren Hauptwohnsitz haben: die Bundeshauptstadt zeigte sich großzügig und schenkte allen die Möglichkeit zum Test, wen wundert´s, in Wien wird am 11. Oktober gewählt. 2020 taugen PCR-Tests sogar als Wahlkampfgeschenk.

… Verordnungen so missverständlich geschrieben worden sind, dass dies zu zwölfstündigen Staus an den Grenzen in Kärnten führte. Weil Formulare ausgefüllt werden wollten. Auf Papier. Von Digitalisierung hat man hierzulande noch nichts gehört bzw. unter Digitalisierung versteht die Regierung wohl immer noch, was sie einst in einem netten, ganz offiziellen Pressefoto vom ersten „digitalen Ministerrat“ kommunizierte: Alle Regierungsmitglieder saßen rund um einen Besprechungstisch, statt Papier hatte jedes ein Tablet vor sich. In der Steiermark und in Tirol gab´s übrigens keinen Stau, vielleicht galt dort eine andere Verordnung?

… als das Bundesland Oberösterreich seine strengere Tragepflicht für Mund-Nasen-Schutz an einem Tag zurückzog, als wesentlich mehr Infektionsfälle gegeben waren als an jenem, mit dem es die verschärfte Pflicht eingesetzt hatte. Offiziell nennt man das dann Anpassung an den bundesweiten Status, bevor in einer Woche (!) Maßnahmen per Corona-Ampel geschaltet werden. Inoffiziell ist es vielleicht doch eher ein Kniefall vorm unzufriedenen Handel und dessen gedämpften Umsätzen? Gesundheit oder Wirtschaft?

… als der semantische Unterschied zwischen „Zurücklegen“ und „Zurückzahlen“ begründet worden ist. Zustehende Bonuszahlungen für ein vorangegangenes erfolgreiches Geschäftsjahr sind moralisch bedenklich, wenn der Staat mit dreistelligem Millionenbetrag das Unternehmen rettet. Nach öffentlichem Protest des Finanzministers an den Zahlungen legte der Vorstand der Fluglinie die halbe Million Euro zurück. Um sie wann genau wieder anzunehmen?

… als uns Fotos und Filme von einem Elektronik-Musik-Festival aus Wuhan, dem sehr wahrscheinlichen Ursprungsort des Coronavirus, in einem Pool-Park erreichten, dicht gedrängte Menschenmassen bei Techno abfeierten und die erschütterten Reaktionen dazu rund um den Globus schlicht damit kommentiert worden sind, man müsse halt nur strategisch konsequent gegen das Virus vorgehen, dann passt´s schon wieder.

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