Sport

The Last One – aber was ist schon sicher?

Ich wollte es noch einmal wissen. Noch einmal klingt gut. Lang liegt zurück, dass ich mich einen Sommer lang durch Schwimmwettbewerbe „gearbeitet“ habe. Dies ist dokumentiert, hier im Blog. Die Stationen damals hießen Pucking, Backwaterman am Ottensteiner Stausee, Mondscheinschwimmen in Wien und last but not least Fuschlsee-Querung.

Die Ankündigung für den diesjährigen Backwaterman im Waldviertel verführte aus dem Grund, weil die Organisatoren mitteilten, 2026 gestalten sie mit der 21. zugleich die letzte Auflage ihrer Sportveranstaltung im nördlichen Niederösterreich. Die wollte ich mir nicht entgehen lassen, und weil der berufstätig erfüllte Mensch darüber hinaus auch so seine Ziele braucht, meldete ich mich exakt zu jener Distanz an, die ich vor sieben Jahren auch schwamm, 1500 Meter.

Der Backwaterman ist berühmt für seine Langdistanzen (7 und 14 Kilometer) im geschlängelten Stausee mit dem skandinavischen Flair (wer unsere Leidenschaft für Schweden kennt, versteht darum meine besondere Zuneigung zu dieser Wettbewerbskulisse und mein Lob für die stets perfekte Organisation muss dem Team hier auch sofort zugesprochen bzw. -geschrieben werden). Seit einigen Jahren gibt der Backwaterman auch der – in Schweden ersonnenen – Sportart Swimrun den österreichischen Schauplatz, dies sogar für die World Championships (ausgetragen heute Sonntag).

Mir war die 1500-Meter-Distanz in mehrerlei Hinsicht willkommen, natürlich interessierte mich der Vergleich mit meiner Leistung vor sieben Jahren (da war mir Schwimmen zwar schon im dritten Jahr zur Leib- und Seelen-Sportart geworden, ich habe seither aber meine Technik und mein Training weiterentwickelt). Dann ging es auch ums Machbare. Alle Denk- und Handlungsansätze, an Schwimmwettbewerben teilzunehmen, scheiterten in den Jahren nach 2019 zuerst an der Pandemie und dann an der mangelnden Kombinierbarkeit von Schulleitungsaufgabe und Training hin auf Wettbewerbsniveau. Der Termin des 1500-Meter-Schwimmens (gestern Samstag um 15:30 Uhr) passte nun auch ideal, die zweistündige Anreise ab Mittag war heiß wie überhaupt alles am gestrigen (wie sicher auch am heutigen) Wettkampftag.

Gegenüber 2019 hat sich der Ort am Ottensteiner Stausee verändert. Nunmehr ist das Deckerspitz, ein öffentlicher Badeplatz, der Ausgangspunkt. Für die Distanzen 750, 1500 und 3000 Meter gab es einen gemeinsamen Start, wobei die Startgruppe der 750-Meter-Distanz zwei Minuten hinterm Feld der anderen in die verkürzte Schleife geschickt worden ist. Wir anderen, mit rosa Badekappen die 1500er, mit orangen die 3000er, zogen mit dem Wasserstart einmal gegen Westen auf die erste von drei Bojen zu, die „mit der rechten Schulter“ zu umrunden sind, quasi im Uhrzeigersinn. Ich kenne die vor Testosteron fast platzenden „Schwimmtiere“ in Wettkämpfen zu gut, ließ sie darum in die erste und zweite Reihe der Wasserstartlinie, sollen sie sich doch auspowern (im 3000-Meter-Wettbewerb zahlten genug auch wegen der Hitze für ihr Rasen am Anfang Lehrgeld). Wenn viele gleichzeitig starten, kocht der See (spritzend, aufgepeitscht) noch mehr, als er ohnedies an Temperatur in der Juni-Hitzewelle zugelegt hat. Am Morgen maß das Organisationsteam 25,7 Grad an der Oberfläche. Mich zogen meine Kraulzüge durch Wasser, das mir selbst in einer Badewanne im Winter zur Erwärmung nach Spaziergang bei Minusgraden oder Ähnlichem zu warm gewesen wäre.

Aber zurück zur Startsequenz: Vor mir also der Wahnsinn der Übereifrigen zog ich in meinem Tempo nach und konzentrierte mich darauf, die Boje gut anzupeilen. Ich umrundete die erste noch nie mit so wenig Platzverlust, damit meine ich, dass ich sehr spitz auf sie zukam und eng um sie wenden konnte, trotz Schwimmerinnen und Schwimmer um mich zuhauf. Da meine Sportuhr im Freiwassermodus jede 500-Meter-Strecke mit Vibrieren meldet, linste ich auf die Zeit und stand nach den ersten 500 bei mich sehr zufrieden stimmenden 11 Minuten 15 Sekunden (im Kopf hatte ich das Ziel von 33 Minuten fürs Gesamte, im 50-Meter-Pool als sehr geschützte Zone, keine Strömungen, keine Wettereinflüsse, niemals so viele Nähe zu Kontrahentinnen und Kontrahenten, bringe ich die 1500 in dieser Zeit). Nach weiteren 500 stand ich laut Sportuhr auf 21:20, nur weiter so, dachte ich. Zwei Dinge machten mir dann Striche durch die Rechnung, das erste, das Passieren der dritten Boje. Wo kamen da plötzlich all die anderen her, die sich wie bei einem Gokart-Rennen hereindrängten? Remplereien, da ein Griff, dort ein Zerren, ein paar blaue Flecken nimmt man aus Open-Water-Wettkämpfen immer mit. Dieses Rugby im Wasser lässt Zeit liegen. Zweites Handicap: Von Boje 3 ging es direkt ins Ziel, der Sonnenstand ließ mich dieses schlecht erkennen. Ich war zu sehr links unterwegs, also zu wenig gerade, etwas mehr Weg also, dann noch aufgehalten durch 3000er-Kämpfer, die um ein kleines grünes Bojending vorm Ziel in ihre zweite Runde mussten, bis ich schlussendlich aus dem See ausstieg und die Wasser-Land- als Ziellinie überqueren konnte: Mit einer Zeit von 36:28,00, 14. in der Gesamtwertung, 6. in der Altersklasse (über 40 Jahre alt und dann unendlich hinauf).

Ich bin zufrieden, auch angesichts des Umstands, dass ich meine Zeit für die gleiche Distanz von 2019 um sieben Minuten unterboten habe. Sieben Jahre älter und sieben Minuten schneller, das hat Charme. „The Last One“, so betitelten die Backwaterman-Organisatoren ihren Wettbewerb im Juni 2026. Während der Veranstaltung hörte man aus dem Feld der Teilnehmenden Überzeugungsversuche ans Team fortzusetzen. Was ist schon sicher also? Auch nicht das, dass dieser Schwimmwettkampf mein „last one“ gewesen ist.

Foto: Deckerspitz am Ottensteiner Stausee, mit Blick in den Westen, im gelben Kreis die erste Boje, weiter ging die Schwimmstrecke entlang des gegenüberliegenden Ufers

Hinterlasse einen Kommentar