Sport

Koppeln ohne Wechseln

Eines muss man jenen Schweden lassen, die irgendwann am Beginn der 2000er Jahre die Wette abgeschlossen hatten, im Zweier-Team laufend und schwimmend den Schärengarten vor Stockholm – Länge 75 Kilometer, 65 davon zu Fuß, zehn im Wasser – an einem Tag zu bewältigen: Schrille Idee! Und die Geburtsstunde einer genialen, gekoppelten Sportart!

Sie heißt Swimrun und ihr Name sagt zu wenig darüber aus, was darin steckt, denn nur einmal „swim“ und dann „run“ ist es nicht. Es wechselt sich herrlich ab, solange man will (es müssen nicht gleich 75 Kilometer mit 24 Lauf- und 23 Schwimmabschnitten sein!) und kann. Der Reiz liegt im fließenden Übergang, Wechselzonen und -zeiten gehören zum Triathlon. Der Swimrunner hat alles mit dabei, was er braucht. Die Handgriffe sind geübt und auch nur wenige, es dauert kaum messbare Sekunden: Beim Laufen ins Wasser muss die hochgeschobene Schwimmbrille wieder auf die Augen, man klickt sich den Pullbuoy aus dem Gurt, an dem man diesen mittransportiert, das ist jenes Styroporaccessoire, das man als Auftriebshilfe dann zwischen die Oberschenkel klemmt, um dem Sinken der schwereren Füße (geschwommen wird ja mit Schuhen) entgegenzuwirken. Dann sind noch Paddles gestattet, quasi Handflächenvergrößerungen für den effektiveren Kraularmzug. Bei kürzeren Swimrun-Distanzen (Sprint) bleiben die während des Laufens an den Schlaufen an den Handgelenken, bei längeren (übliche Wettkampfformate sind: Halbmarathon und Marathon) fädelt man sich diese am Bauchgurt für den Pullbuoy ein. Beim Ausstieg aus dem Wasser erfolgt das Ganze umgekehrt. (Schon es zu beschreiben, dauert länger als es zu tun.)

Dieses Gleiten aus der einen Ausdauersportart in die andere lebt auch von einer Eleganz. Ich empfinde die minimalen Veränderungen beim Wechseln für mein Vorankommen, einem wirklich guten Auspowern in durchwegs stattlichen Herzfrequenzbereichen, auch so, als passte ich mich damit in die Landschaft ein. Dazu kommt das Abenteuer an sich und auch der Aspekt des Landschaftskinos, das man sich im Swim-&-Run-Movie erarbeitet, ist nicht zu unterschätzen. Statisten dieses Films sind dabei all jene, die – weil man natürlich nicht in ausschließender Einsamkeit trainiert, sondern an Örtlichkeiten, die natürliches Wasser anbieten, an Badeseen beispielsweise – einen mit ihren Blicken als Exoten würdigen. Ja, klar, wer versteht schon, wenn einer im Neopren oder Trisuit und mit Badekappe am Kopf durch die Gegend rennt und zwischendurch samt Strümpfen und Schuhen ins Wasser springt und schwimmt? Ich habe auf jeden Fall einen Narren daran gefressen!

Foto: Birgit Baumgartner

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