Gesundheit

Mitfiebern!

Nein, so hätte es nicht kommen müssen. Am Freitag (ein 13.!), letzter Schultag vor den oberösterreichischen Semesterferien, meldet sich so ein leichtes Kratzen im Hals, später dann treten ein paar Schweißtröpfchen, grundlos, auf die hohe Stirn. Ich schloss pünktlich zum Dienstschluss Direktion und Sekretariat ab und fuhr durch den intensiven Flucht-aus-der-Stadt-Verkehr hinaus, mit Zwischenstation Lebensmittelhandel auf dem Weg wie immer an frühen Freitagnachmittagen. Zu Hause dann entschied ich mich für die Zwiebelsuppe als (hoffentlich noch präventive) Maßnahme, pfiff auf Sport und legte mich am Abend ins heiße Vollbad. Der Schüttelfrost zwei Stunden danach bedeutete zweifelsfrei: Sei ein braver Lehrer und werde krank – in deinen Ferien!

Im Gehirn ging der Rotstift durch die Liste meiner Ferienpläne. Schifahren in dieser Woche gibt es schon länger nicht mehr, zu viel Trubel auf den Pisten. Die großteils unkontrollierten Geschwindigkeiten anderer brachten mich zigfach in Ausnahmesituationen, auf die ich liebend gerne verzichte. Die ersten vier Striche betrafen also meine Schwimmtrainings an den beiden Samstagen, sowie am Dienstag und Donnerstag der Semesterferienwoche. Am Samstag in der Früh strich ich vorerst jede Form von Sport oder Bewegung. Ich maß meine Temperatur und hatte 37,1, für mich hoch (ich bin sonst eher der kühle Typ, im Normalfall gerne 1,5 bis zwei Grad unter diesem Messwert). Eine Stunde nach dem Aufstehen war ich wieder dort, woher ich kam, im Bett, und zu Mittag in Sachen Temperatur an einer Skalierung, die mein Anleitungszettel zum Fieberthermometer schon als Fieber deklariert. Frau Tochter (vom ärztlichen Fach) spricht allerdings von „subfebril“, was heißt: 38 stand noch nicht vorne. Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen reichten.

Die Entscheidung fiel darum eindeutig klar und erzwungen zugunsten eines bedingungslosen Passivsports aus, Olympische Winterspiele! Der einzige Bewegungseinsatz meinerseits besteht dabei darin, mich auf der Couch vorm Fernseher niederzulassen. In meiner Begrifflichkeit von Körpertemperatur wollte ich das Mitfiebern genau so uminterpretieren, wie ich beschloss, dass ich für diese Tage meine Wieder-Lektüre von Thomas Manns „Der Zauberberg“ (auf Seite 528 von 984 einer wunderschönen bibliophilen Ausgabe, die ich vor wenigen Jahren am Sekundärbuchmarkt erstanden habe) unterbrechen werde. Es fühlt sich etwas komisch an, wenn man selbst hustet, hart, die Bauchmuskeln schmerzen dabei und man liest über die Gesellschaft hoch über Davos und ihre Lungenleiden. Erbaulich ist da wahrlich anderes.

So widmete ich mich den Fernsehprogrammen von ORF und ZDF, über die für die Semesterferien geplanten Pflichttermine der Biathlon-Wettbewerbe hinaus, nun also allem, was der Kopf und der Körper annehmen wollten. Zuerst der Tadel hier an den ORF: Warum gelingt es nie, von einer Übertragung eines alpinen Schirennens, Österreich dort ohnedies bescheiden in den Leistungen, und dem unerträglich ewigen „analytischen“ Zerreden danach so auszusteigen, dass man doch pünktlich zum Start eines Biathlonrennens weiterschalten kann? Der Sport selbst sollte wichtiger sein als all die Wichtigmacherei von „hätte …, könnte …, wollte …, sollte …, wäre …, ist aber nicht“. Im ZDF sind sie hier allemal tough. Ich sah also alles, was ich sonst nie schauen würde, Schispringen zum Beispiel, zum Zuschauen irgendwie langweilig, denke ich mir, vor allem für die Fans vor Ort, die nicht diese „wissenschaftliche“ Überbauung der Kommentatoren geliefert bekommen, wenn es für gesenkte Gates und Wind Punkte gibt und die Hochrechnung auf Leistung und Platzierung den Spannungsmoment heben soll.

Da fieberte ich lieber im Skeleton mit Janine Flock und ihren Fahrten drei und vier durch Cortinas Eiskanal mit, bis sich das Rot des Zurückliegens der auf Tausendstelsekunden gemessenen Zeit ins Grün des Sieges verwandelt hatte. Oder im zweiten Durchgang des Slaloms der Herren, als Österreichs „last man skiing“, Fabio Gstrein, die Landesehre mit der Einzelmedaille in Silber errettete. Im Übrigen bin ich der Meinung, Henrik Kristoffersen alsbald zu einem Österreicher werden zu lassen, Avancen seinerseits gibt es, früher war die Republik nicht so zögerlich. Andernfalls hätten wir mit Matĕj Švancer auch nicht Bronze gewonnen. Im Big-Air-Finale (Freeski) sprang der, wenn ich das richtig verstanden habe, etwas, was er zuvor nicht geübt hat, weil er erkannt hatte, dass es mehr als das bisher Gezeigte braucht, um eine Medaille zu gewinnen: Das ist ein wahrer Olympiasieger für mich (Farbe des Metalls der Medaille vollkommen egal)!

Foto: IBSF Bobsleigh and Skeleton World Chanpionships 2021 in Altenberg: Janine Flock (AUT, Österreich) beim Start, 11.2.2021, by Steffen Prößdorf, Wikimedia.Commons [abgerufen am 16.2.2026], Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0; disclaimer notice.

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