Literatur

Cervantes, Shakespeare, ich

Das schöne, das bücherliebende Spanien hat an die UNESCO einen Antrag gestellt, mit November 1995 erfolgreich, sodass der heutige Sonntag, auf den dieser 23. April fällt, „Welttag des Buches“ wurde, und zwar deswegen, weil am Tag des Heiligen Georg (auch heute!) in Katalonien gerne zuerst Rosen und seit gut hundert Jahren auch Bücher geschenkt werden. Und weil dieser Liebe zum Buch beispielsweise in Buchmärkten auf offenen Straßen Ausdruck gegeben wird: Eine Huldigung für das beste Speichermittel immer und ewig für Geschichte(n), in Barcelona beispielsweise. Ich habe einen Besuch der katalanischen Hauptstadt zu einem künftigen 23. April auf meiner „bucket list“, vorausgeschoben in mein Leben dann, wann es die Facette des Erwerbslebens hinter sich lassen durfte. Zuvor kommt ein Schulleiter einer höheren Schule in dieser Jahreszeit und zu diesem Termin – letzte Schultage des abschließenden Jahrgangs, Schlusskonferenz, Übergang zur schriftlichen Reifeprüfung – nicht los von seinem Arbeitsplatz. Bei dieser Gelegenheit schreibe ich auch allen, die sich an den Ferienwochen unseres Berufsstands leid sehen, gerne dies ins Stammbuch: Wir sind in unseren Freiheiten ein Berufsleben lang an ganz bestimmte Zeiten im Jahr gebunden, sommerlich zum Beispiel immer an Wochen, die sich mit den absoluten Preisspitzen des Reisens als Hochsaison deklarieren. Auch eine Leipziger Buchmesse sehe und erlebe ich erst in einer Zukunft von „danach“ – wann auch immer das tatsächlich sein wird.

Der 23. April ist ein markantes Datum, an diesem starb 1616 Cervantes in Madrid, auch William Shakespeare in Stratford-upon-Avon. Also wirklich Große der Literatur verließen die Weltbühne und hinterließen Unsterbliches, immer wieder gelesen, neu gedeutet.

Diese Totenverehrung von uns Literatur- und Buchfreundinnen und -freunden kann unseren Liebsten schon auch nervlich zusetzen. In meiner Familie trieb ich es zu mittelschwerer Belastung, als ich die Liebste, selbst literatur- und buchaffin, in Berlin auf den Dorotheenstädtischen Friedhof schleppte, um vor Bertolt Brechts Grab respektvoll das Knie zu beugen. Und auch in Bad Ischl mussten Frau und Kind vor Jahren mit mir auf den Friedhof, weil ich den dort zur letzten Ruhe gebetteten, so verehrten Leo Perutz besuchen musste (siehe Beitragsfoto).

In aller Anmaßung also, die ich mir zu meinem heutigen Geburtstag erlauben darf, stelle ich richtig: Welttag des Buches ist heute, weil ich Bücher- und Literaturliebhaber an einem 23. April geboren worden bin, übrigens an einem Sonntag wie heute. Ich feiere das Fest meines Lebens und setze gesund, munter und tatkräftig mit diesem den Kontrapunkt zum sonst so eifrigen Totengedenken in der Welt der Literatur. Meine eigenen schriftstellerischen Ambitionen (ja, ich habe die!) für größere Prosa-Arbeiten müssen aus gleichen Gründen warten wie der Besuch des Büchermarkts in Barcelona. Bloggen bleibt berufsbegleitend betreibbar.

Foto: Ich am Grab von Leo Perutz in Bad Ischl (Salzkammergut, Oberösterreich), Juli 2010

1 reply »

  1. Glückwunsch dem Bücherfreund! Und, sei getröstet, ich habe nur 3 Wochen im August und 1 Woche über die Jahresendfeiertage Urlaub, da schließt nämlich die Firma. In Bezug auf Urlaubskosten in Italien höchste Hochsaison wo gibt. 😉😒

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