Medien

Da ist noch Luft nach oben

Naja! Das also war Folge 1 mit Titel „Judas“ der neuen Hauptabendtermin-Fernsehserie „SOKO Linz“ (ORF1 am 1.2.2022, 20:15 Uhr), eine weitere Spielart der beliebten „SOKO“-Serien, kompakte Krimis im 45min-Format. Nun gibt auch meine Geburtsstadt einen Schauplatz und mit der Tabakfabrik als headquarter der SOKO einen wirklich imposanten. Wenn die Drohne im Vertikalflug die Fassade des mächtigen Baus von Peter Behrens ins Bild fasst, dann kribbelt es. So ein Industrieareal entfaltet Atmosphäre, davon profitiert auch das Interieur für die Ermittlungsarbeiten.

Die Hauptfiguren werben in ihrem ersten Einsatz um viel Sympathie und bekommen sie auch: allen voran Kommissarin Johanna „Joe“ Haizinger (Katharina Stemberger) und Kollege Ben Halberg (Daniel Gawlowski). Chefin Nele Oldendorf (Anna Hausberg) wirkt auch im sprachlichen Idiom etwas fremd für den Standort. Wie überhaupt die sprachlichen Feinheiten als ein vorsichtiges Herantasten an Schauplatz und Zielgruppe (ganzer deutschsprachiger Raum?) zu interpretieren sind: Wurde das Opfer mit einem „Kissen“ oder einem „Polster“ erstickt? Die Reduktion von Antworten aufs notwendig Kürzeste findet bei der Tochter der Steinmetzfamilie zu dem, wofür wir in Oberösterreich stehen, ebenso wie die punktgenaue Schlagfertigkeit von Yara Nejem (Facility Managerin in offizieller Diktion der ORF-Pressearbeit, also Hausmeisterin am SOKO-Linz-Standort, gespielt von Miriam Hie).

In Folge 1 sehen wir einige Zwischenschnitte, Kamerafahrten, die den Schauplatz charakterisieren, wie zu Beginn ein letzter wehmütiger Flug über VOEST- und alter Eisenbahnbrücke. Als Stahlstandort bietet die Einfahrt in die Stadt über die Steyregger Brücke besten Blick auf Industrielandschaft und „Joe“ muss auf der orangen Vespa vom Musiktheater gleich zur Tabakfabrik einbiegen (da sind in Wirklichkeit ein paar Kilometer dazwischen).

So, und worum ging es im ersten Fall? Eine junge Frau im Zeugenschutzprogramm kommt ums Leben, sie hat gegen Schlepper ausgesagt: Hat sie wer gefunden? Ist der Kontaktbeamte mehr als nur der Schützer und Verbindungsmann zum „alten Leben“? Den Tür-an-Tür-Nachbarn geht es mit dem Steinmetzbetrieb finanziell schlecht. In den Ermittlungen sind so wenige Verdächtige, von denen sich zudem rasch welche ausschließen, dass zum Schluss nur mehr einer übrig bleibt. Der muss es darum sein und sein Geständnis erscheint wie eine Erlösung aus einer lähmend langweiligen Handlung, die nicht mehr konnte, als einen Schauplatz und seine Protagonisten einzuführen.

In Sachen Kriminalistik ist also ab Folge zwei viel gute Linzer Luft nach oben. Anmerkung: Es ist hier zwar noch immer kein Luftkurort, aber die Zeiten von wirklich schlimmer Benebelung mit Emissionen über der Stadt sind längst vorbei. Hoffen wir also auf belebenden Sauerstoff für den Fall (!) am nächsten Dienstag! Schauplatz und Personal verdienen sich das.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s