Soziales Handeln

Ein nomineller Wert von Bestand

Mit dem kommenden Jahreswechsel vollendet die Währung Euro als Bargeld ihre ersten zwanzig Jahre. Seit 1. Jänner 2002 klimpert sie in Münzen und steckt sie in Scheinen in den Brieftaschen von Bürgerinnen und Bürgern von insgesamt 19 Staaten der Europäischen Union.

Schon drei Jahre zuvor wurde sie als Buchgeld eingeführt. Wir erinnern uns an Doppelauspreisungen, die wir auf Rechnungen zu lesen bekamen, um uns an das neue Werte-System zu gewöhnen. Immerhin galt beispielsweise in Österreich ein Umrechnungskurs, der einen Euro mit 13,7603 Schilling notierte. Das führte dazu, dass eine Investition um 100 Schilling auf 7,27 Euro schmolz, in etwa heute ein Betrag, den man für ein kostengünstiges Take-Away-Mittagessen in der Gastronomie bezahlt, die neben einem reichhaltigen Jausenangebot auch zwei verschiedene warme Mahlzeiten (vegetarisch bzw. mit Fleisch) anbietet.

Wir erinnern uns insbesondere in Österreich an verheißungsvolles Sparpotenzial, das mit dem EU-Beitritt versprochen worden ist. Neben der damaligen Staatssekretärin Brigitte Ederer proklamierte 1994 in einem Pressegespräch eine Expertin eine Einsparung von 1000 Schilling für eine Familie pro Jahr. Als „Ederer-Tausender“ ging der in die österreichische Volkswirtschaftsgeschichte ein, mit der Euro-Einführung schrumpfte er auf 72,67.

Jüngst, als erste Entwürfe, vielleicht aber auch nur Gerüchte zu den vorgesehenen Verwaltungsstrafen bei Verletzung der mit 1. Februar 2022 in Kraft tretenden Impfpflicht gegen Corona kursierten, hieß es, dass bei der verweigerten ersten Impfung EUR 3.600,00 Verwaltungsstrafe drohen. Bei einer zweiten Entsagung wüchse die Zahllast dann in Summe auf 7.200,00 an. In diesen Zahlen – sie haben keine Gültigkeit mehr, sondern sind durch eine alle drei Monate wiederkehrende Strafe von jeweils EUR 600,00 abgelöst worden – spiegelt sich beispielhaft ein nunmehr über zwanzig Jahre konserviertes Wert-Empfinden. Hinter dem Betrag von EUR 3.600,00 steckt immer noch der von einst 50.000 Schilling, hinter dem von EUR 7.200 der von 100.000 Schilling. Die heimliche Regentschaft des ursprünglichen Faktors, uns allen durch zigfaches Umrechnen auf immer und ewig ins Gedächtnis gebrannt (13,7603!!), ließ jede Wertentwicklung durch Inflation hinter sich.

Selten beweist etwas derart Konstanz. Der Bevölkerung legte man zwar ab 2002 nahe, vom Umrechnen so rasch wie nur irgendwie möglich Abstand zu nehmen. In Agenden der öffentlichen Verwaltung, in ihren Gebühren, auch Strafen geben Zahlen weiterhin Werten Ausdruck, als Echo aus einer vergangenen Zeit, in der EUR 21 oder aufgerundet 22 für 300, 29 für 400 Schilling und jede Kommaverschiebung durch 7,26728 für ab 100 jeweils mal zehn aufsteigend gestanden sind.

Foto: Pexels/Free Photo Library

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