Literatur

Wie gut sie arbeiten

Das bringt die Jahreszeit natürlich selbst mit sich, dass der Wald an sich kahl und karg erscheint. Doch fällt mir in diesen Tagen wieder einmal auf, wie sehr der Baumbestand in den Wäldern meiner näheren Umgebung mit der Motorsäge bearbeitet und dabei dezimiert wird. Ich bin Laie, das muss ich hier anmerken, fern vom Fach und jeder Forstwirt wird mir Gründe nennen können, warum das Roden sein muss. Der Abzug aus der Gesamtsumme an Bäumen wird für mich nicht erkennbar kompensiert, wann und wo wird im Ausgleich dazu wieder aufgeforstet? In mir schlägt nur Basiswissen aus dem Sachunterricht einer Volksschulzeit vor Jahrzehnten an: der Baum als Wasserspeicher, Schattenspender, Windschutz, Sauerstoffproduzent, Klimaregulator, Lebensraum für Tiere.

Und jedes Mal, wenn sich meine Beobachtung gefällter Bäume verdichtet, denke ich an Thomas Bernhards Theaterstück „Die Jagdgesellschaft“, da ist parallel zur Entwicklung der Hauptfigur, eines Generals, die Rede von der Todeskrankheit des Walds, gemeint: der Borkenkäfer. Während des Showdowns um den General in drei Akten legen die Holzfäller draußen den gesamten Wald um. Als kräftige Metapher zum Zustand der Gesellschaft. Am Schluss verübt der General Selbstmord:

GENERALIN zur Köchin Bringen Sie die Waschschüssel/schnell/die Waschschüssel

Stille

Hacken und Sägen fangen an, den Wald niederzulegen, immer intensiver, immer lauter

SCHRIFTSTELLER Hören Sie gnädige Frau/hören Sie

GENERALIN Die Holzfäller

SCHRIFTSTELLER Wie gut sie arbeiten

Ende.

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