Film

Moralische Grenzverletzungen

Nichts ahnend überfällt mich auf der Couch vorm eigenen Fernseher am vergangenen Donnerstagabend eine gar nicht so verdeckte Botschaft. Ich schaute auf ORF2 Nachrichten, Sport und war kurz vorm Umschalten auf ORF1 zum Qualifikationsspiel des österreichischen Frauenteams gegen Israel (es geht um die Teilnahme bei der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich 2019).

In den „Seitenblicken“, der telegenen Klatschspalte der Nation, warfen Kameraaugen Blicke auf jene „everybody’s darlings“, die sich anlässlich der Filmpremiere von „Anna Fucking Molnar“ in Wien versammelt hatten. Die Schauspielerin Nina Proll debütierte dabei als Drehbuchautorin. Zum Film selbst empfehle ich die Lektüre der Kritik von Maya McKeachney. Die Stimme aus dem „Seitenblicke“-Off erinnerte das Publikum vorm Fernseher daran, dass Schauspielerin Proll ja unlängst mit ihrem Statement zur #metoo-Debatte für ordentlich Aufmerksamkeit gesorgt habe, damit sei wohl Marketing für den Film gut aufgegangen, sagte die Stimme und Proll ergänzte mit Originalton und einem freundlich breiten Lächeln ungefähr: „Ja, das hat unserem kleinen Film keineswegs geschadet, eher im Gegenteil.“

Das ist aber jetzt nicht wahr!

Ihre Wortmeldung per facebook vom 25.10.2017 ist oft genug wiederholt worden, hier mache ich das darum nicht. Vom Umstand, wie sie damit Betroffene desavouiert hat, hielt sich die nachfolgende Debatte in der Öffentlichkeit fern, Frau Proll war Gast in einigen Fernsehtalkformaten und förderte dabei breites Kopfschütteln über ihre Sichtweise. So wie’s jetzt transportiert wird, war ihr „Beitrag“ aber ohnedies nur von Marketinginteressen gesteuert. Wir wissen nicht, ob wirklich strategisch geplant und umgesetzt oder rückblickend nun als Glücksfall einer Legitimierung für den verunglücktesten Zwischenruf 2017 genutzt.

Beide Varianten sind verwerflich und verabscheuungswürdig, beide Varianten missbrauchen das Leid betroffener Frauen. Beide Varianten, ob vielleicht als Ambush-Marketing („Trittbrettfahren“ bei anderen Informationswellen, quasi das Kuckucksei der Kommunikationsbranche) oder als „fake news“ interpretiert, unterschreiten moralische Grenzen, sind schwer „below the line“, wie man in der Fachsprache sagt.

Zum Fremdschämen ist auch das gestern bekannt gewordene Vorhaben des Österreichischen Schiverbands (ÖSV), von Nicola Werdenigg, jener ehemaligen Schifahrerin, die (vor allem selbst erlebte) sexuelle Gewalt im Schiverband outete, die Namen des oder der Täter mit einer Klagsdrohung wegen Verleumdung zu erpressen. Geht’s noch?

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