In diesem Sommer ist es auch schon wieder 37 Jahre her, dass sich eine kleine verschworene Gruppe theaterbesessener Studierender für einen ersten Ferienmonat Juli auf einem Bauernhof zwischen Kremsmünster und Wartberg (in Oberösterreich) zurückgezogen hat. Sie studierte dort eine Sommertheaterproduktion ein. Der nahe Vermessungspunkt aus Zeiten von Maria Theresia, dazumals noch Namensstifter für eine Oase regionaler Gastronomie, der „Baum“, der da „mitten in der Welt“ stand, gab uns als Truppe den unbescheidenen Namen „Theater mitten in der Welt“.
Mit der Commedia dell´arte-Bearbeitung, mit der wir im August 1987 auf Tour durch Oberösterreich gingen, um in 20 Vorstellungen theaterausgehungertes Publikum zu unterhalten, schafften wir es in die Programmzeitung der „Spielstatt Jungen Bühne“ Leonding (später Theater Phönix Linz), die eben mehr bot als nur die Ankündigung der eigenen Produktionen. Das Blatt war auch Spiegel dessen, was in der freien Theaterszene zuging, und das Lob, das uns von einem sehr namhaften Schauspieler, später Kroisleitner in der SOKO Kitzbühel, also von unserem lieben und kritischen Freund Ferry Öllinger zuteil wurde, gab uns doch einen historischen Moment. Denn Ferry schrieb sinngemäß, dass wir einen lebendigen künstlerischen Akzent in die sonst so ausgetrocknete Sommertheaterlandschaft Oberösterreichs setzten. Recht viel mehr als die Boulevardtheaterkomödie des darauf spezialisierten Linzer Kellertheater im Arkadenhof des Linzer Landhauses gab´s nämlich in den späten achtziger Jahren nicht.
37 Jahre später fing so ein Sommertheatersommer schon Ende Mai an, als sich die dafür über Jahre herangewachsene Masse an Publikum auch auf Tribünen im Freien schlichtete und die Umraum-Temperaturen bei Dunkelheit gerade noch zweistellig blieben. Kein Ufer eines Sees, kein Innenhof von Schlössern, Stiften, kein Stadl von schönen mächtigen Bauerngehöften, keine Mehrzweckhalle und selbst nicht die in den Saisonen fleißig bespielten Theaterhäuser, die ihre Bühnentechniken weiterschnurren lassen, entsagen heute dem Vergnügen jener Produktionswelten, die der Jahreszeit zugeneigt Inhalte anbieten, leichte Kost, intensiv von saisonaler Kulinarik umrahmt.
Spätestens ab morgen rollt diese kulturelle Versorgungswelle wieder so über uns hinweg. In diesem Sommer paart sie sich mit der Flutung von Veranstaltungen unter dem Titel der Europäischen Kulturhauptstadtregion Salzkammergut und der Kultur EXPO, wir ehren weiterhin (mit heutigem Sonntag Halbzeit!) den 200. Geburtstag von Landeskomponist Anton Bruckner. Die Welle kennt darum auch Konzerte aller musikalischer Stilrichtungen, Lesungen, Kabarett, Frühschoppen, es tut im Bundesland nun 62 Tage so, als hätte der homo superior-austriacus zehn harte Monate von Entbehrung an Veranstaltungen hinter sich.
Ich erkläre mich als einstiger Part des Pioniergeists (ich spielte Aurelio, den jugendlichen und etwas tölpelhaften Liebhaber in der oben benannten Commedia-Bearbeitung) dazu nun so: Rückzug. Ich entscheide mich hier und heute für eine Abstinenz von Rezeption von all diesem Kultursommergeschehen und ich durchbreche diese Enthaltsamkeit nur für eine einzige Ausnahme. Die deklariere ich hier beizeiten, heute (noch) nicht. Man kann mich also irgendwann irgendwo im oberösterreichischen Festivalsommer sehen. Nur dieses einzige Mal.
Ansonsten: noch zwei Wochen Arbeit, dann sieben Wochen Ferien mit guter Lektüre, Musik im Mix aus dem eigenen CD-Schrank, Bloggen, dann und wann den guten Film im Kino, Sport, Natur, Seele-Baumeln, dolce far niente, einfach Sommer.
Foto: Pexels/Free Photo Library
Kategorien:Kulturpolitik, Theater

Selbst Sommertheater verliert seinen Reiz, wenn es zuviel davon gibt … Aber für die Schauspieler ist es doch schön, ganzjährig auf der Bühne stehen zu dürfen. Und amüsierwilliges Publikum (nicht zwangsläufig deckungsgleich mit den winterlichen Theaterbesuchern) gibt es grad in den Großstädten genug. Bin gespannt, was dich zu deiner Ausnahme inspiriert …
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