Klima

Zeit der Unwetter

Auf Regen folgt Sonnenschein. Der Satz wurde zu einer Volksweisheit, er tröstet und er stimmt zu mehr Optimismus. Ich nehme ihn heute wörtlich und steigere ihn gemäß den nicht wegzuleugnenden (wer´s tut, geht blind durch die Gegenwart!) Wetterkapriolen, die ihre Ursache im weiterhin ungebremsten Klimawandel finden: Auf Unmengen Regen folgt kräftiger Sonnenschein. Aus dieser Mischung, der aufgesogenen Feuchtigkeit aus sehr nassen Böden, die zuvor so hart gewesen sind, dass sie nun das Wasser schwer fassen können, erwachsen unter der rasch einsetzenden Hitze und Bestrahlung (Sonnenhöchststand in unseren Breiten in gut zwei Wochen) schwerste Unwetter.

Dieses Phänomen begleitet uns nun schon einige Jahre. Zuvor leiden wir an langen Phasen von Trockenheit, aus ebensolchen Wintern heraus. Dann kommt der ersehnte Regen, und zwar im Übermaß. Schöner, mehrtägiger Landregen in einer Gleichmäßigkeit, die der Boden gut aufnehmen konnte, gehört heute zu den Kindheitserinnerungen meiner Generation, ebenso das, was man ein Übergangswetter nannte. Für ein solches hatte man auch eine dementsprechende „Übergangsbekleidung“, also schon noch Jacke und Mantel, aber halt aus leichten Stoffen. Heutzutage schlupfe ich aus der Winterjacke, um tags darauf im Kurzarmhemd und gern, wenn gestattet, mit dem Sommersakko über dem Arm, durch Beruf- und Freizeitleben zu flanieren, zumeist im Mai. Wonnemonat, gewandelt: Zwar hält er mit den vier Eisheiligen (12. bis 15. Mai) bauernregelndefiniert Kälte bereit, geizt aber auch sonst nicht mit kalten nassen Tagen. 17. Mai 2023, acht Grad, Dauerregen; Ende der Heizsaison, mit viel Mut am 21. Mai 2023. Danach ging es sofort in jene Phase, die ich für den mitteleuropäischen Raum, die sogenannte Nordstaulage (bezogen auf die Alpen), in der ich lebe und arbeite, als die neue Unwettersaison definieren möchte, ähnlich wie man sich rund um Florida Anfang September die Hurrican-Season in den Kalender schreibt und dafür alles, was in Rekordwindstärken fliegen könnte, festbindet. Mit dem Blick in den Himmel gerichtet und dabei mit dem Bangen, ob der eigene Besitz überlebt, wenn der Wirbelsturm auch nur vorbeizieht, stellen wir uns im Herzen Europas liegend nun Jahr für Jahr vom Mai bis zur Sonnenwende im Juni darauf ein, dass uns Gewitter um die Ohren knallen, stroboskopartig Blitze den blauschwarzverfärbten Himmel zerschneiden, und in all dem, in diesen Zellen lauert die besondere Gefahr für Landwirtschaft, aber auch Dächer, Glas und Blech, der Hagel. 24. Juni 2021: Ein Datum, das im Linzer Süden wohl nicht so schnell vergessen wird. Mir hat es sich nur zu gut ins Gedächtnis gebrannt.

Niemand weiß, wann es wieder passieren wird. Es wird neuerlich geschehen. Soweit haben wir es im Umgang mit unserem Klima kommen lassen. Wir tragen selbst dafür die Verantwortung.

Foto: Pexels/Free Photo Library

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