Gesundheit

Zweiter Monat, zweiter Tag

Er sprach von der Wiederauferstehung nach Ostern. Und siehe da, sie geschah in Gestalt von Öffnung kleiner Geschäfte, von Garten- und Baumärkten, natürlich unter bestimmten Auflagen, auf dass gar viele nunmehr kräftig garteln und heimwerkeln konnten. Hierzu berief man sich auf den großen Wunsch einer nicht näher bestimmten Masse. Sie zog am vergangenen Dienstag in langen Einkaufswagenkarawanen und in Blockabfertigung in die Bastler- und Gartenparadiese ein. Werden wir die Erlösung dieser Konsumentenseelen in höheren Infektionszahlen sehen? Ein guter Freund wies daraufhin, dass die knappe Öffnung des Handels gleich am ersten Tag nach Ostern in zwei Wochen niemals erkennen lassen wird, ob Infektionen wegen illegaler Verwandtschaftsbesuche zu Ostern oder dem ersten Kaufrausch danach steigen. Diese Menschenmasse konnte wohl auch nicht jene sein, die in Wohnungen in Mehrparteienhäusern in Innenstadtlagen schon einen Monat lang aushielt und nunmehr auch keine Freude daran fand, Setzlinge in Erde und Dübel in gebohrte Löcher in Wänden zu drücken.

Unsere Regierung verfolgt in der Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus eine Strategie, die – so zumindest hat es den Anschein – darin besteht, dass es keine Strategie gibt. Außer vielleicht: alles und alle still halten, die Bevölkerung vor allem, die Wirtschaft dann nicht mehr, wenn das Vakuum der leeren Kassen unermesslichen Druck entwickelt.

Unlängst las ich auf einer Teletexttafel, dass der Kanzler gar nicht an eine Herdenimmunität denkt. Hochgerechnet ein Prozent der österreichischen Bevölkerung trägt das Virus in sich. Unser Problem: wir wissen nicht, welche Leute dieses Prozent bilden. Die Handlungsanleitung der WHO von „Testen! Testen! Testen!“ hat sich in den vergangenen Tagen irgendwie aufgelöst. Wollte Österreich nicht täglich 15.000 Tests durchführen?

Definitiv hundert Prozent der Bevölkerung werden regelmäßig zur Selbstisolation (ausgenommen Arbeiten, Einkauf, Hilfeleistungen, Bewegung im Freien im eingeschränkten Maß) und zum Durchhalten aufgefordert. Der Dank der Politiker dafür ist das eine; er wirkt immer weniger, weil er argumentativ leer ist. Wie lange durchhalten? Mit welchem Ziel? Soll tatsächlich stimmen, was der Kanzler am Beispiel der Reisefreiheit angekündigt hat? Wir können sie vergessen, solange es keinen Impfstoff gibt. Zur Zeit können wir jegliche Form von Freiheit vergessen, denn es scheint so, als ob wir ohnedies „weggesperrt“ bleiben, bis das Virus durch Medikament oder Impfstoff bezwungen werden kann. Österreich sitzt das Coronavirus aus. Welche Zeitperspektiven sind dabei realistisch? Monate, ein Jahr, mehr als ein Jahr. Wir stehen am Ende von Woche 5. Das macht schon jetzt mit uns Menschen einiges; wir sind soziale Wesen, wir bestimmen uns durch soziale Kontakte. Wir werden diesbezüglich ausgehungert. Die Lockerungen mit der ständigen Option, „die Notbremse wieder zu ziehen“, gestalten es nicht besser. Wir spüren permanent die strenge Hand, die uns wieder zügeln wird. Noch ist die Bevölkerung weitgehend besonnen, was sie (bisher noch konsequent) durch die Duldung von allem Auferlegten und in eiserner Disziplin beweist. Die Wahrheit ist ihr zumutbar. Transparenz ist ein Wesensmerkmal der Demokratie. Das Stillhalten in der Information lässt das Stillhalten in den eingeschränkten Aktionsradien zunehmend schwieriger werden, an jedem weiteren Tag.

Wichtiges Postscriptum: Wer kritisch denkt, spricht und schreibt, erhält in diesen Tagen nicht selten als Reaktion um die Ohren geschlagen, die Lästerzunge allein wäre schon schuld am Leiden und Sterben von noch so vielen. Nun mag unsere Demokratie bestehen; wenn man schon wenig davon bemerkt, sei wenigstens die Meinungsfreiheit außer Diskussion gestellt.

Foto: Pexels/Free Photo Library

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s