Musik

Die schnelle Engelszunge aus Linz

Blonder Engel – Foto: Marco Prenninger

Schon zehn Jahre steigt der Blonde Engel zu uns herab und verkündet uns in seinen Liedern, was das Leben einem so zutragen kann. So auch jüngst, konkret am vergangenen Freitag, als er zur ersten CD-Release-Show („Das blonde Album“) anlässlich des Bühnenjubiläums lud und den großen Saal des Zeitkulturzentrums Posthof in Linz (Oberösterreich) bis auf den letzten Platz füllte.

„Angel“ erzählt in seinen Liedern von den Herausforderungen unseres Alltags und die ganz speziellen Phänomene dabei, die jeder (an sich) kennt. Freundlich hält er uns damit einen Spiegel vor, lachend dürfen wir uns von jenen Fesseln befreien, denen wir so ausgeliefert scheinen: etwa wenn wir zu IKEA fahren und bestenfalls zusätzlich zu einem Einkaufsplan (?), wenn nicht sogar anstatt Ware kaufen, welche wir eigentlich nicht benötigen. Der Sturz eines Smartphones und der Sprung im Display führen zu einer Abrechnung mit den technischen Kommunikationsmitteln und unserer Abhängigkeit von diesen.

Wie immer schon würde „Angel“ bei einem Sprachpolizei-Radar wegen seiner Sprechhöchstgeschwindigkeit zwar eine Aufnahme auslösen, das Radarbild bliebe ohne Spur des Täters, zu schnell flitzt er in seinen Geschichten absolut textsicher durch die Lieder. Er schreibt herausragend, baut auf großem schriftstellerischen Erbe (Gerhard Bronner) und entwickelt es weiter.

Der besondere Charme des Abends rührt von seiner Moderation in oberösterreichischem Dialekt. Zuletzt hörte ich ihn vor fünf Jahren, fast auf den Tag genau. Sein Reifungsschritt seither besteht vor allem aus den sound-satten, gediegenen musikalischen Arrangements. „Angels“ Band, die Hedwig-Haselrieder-Kombo, hat sich dafür mit Wolfgang Bruno Bründlinger um einen Gitarristen (er ist zugleich „Angels“ Gitarrelehrer) verstärkt. Dass die fünf Herren eine Stilbreite zu musizieren verstehen, spiegelt sich darin, dass man ehrwürdige Verbeugungen vor der Musikgeschichte hören kann, Düsteres wie bei Nick Cave oder Ludwig Hirsch, einmal klingt es wie bei Bob Dylan, dann glitzert es wie bei Neil Diamond, und immer wieder geht’s um ein langes Leben für Rock’n Roll und Blues!

Nächste Termine der Jubiläumstour: 2.11. Graz (Orpheum), 4.11. Waidhofen an der Thaya (Stadtsaal), 10.11. Ebersberg (Altes Kino), 23.11. Salzburg (ARGE Kultur), 24.11. Wien (Stadtsaal).

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