Philosophie

Ein Entspannungsbad fürs Gehirn

Du steigst nicht zweimal in den gleichen Fluss. Das meinte Herr Heraklit. Nur galt sein Befund, weil zu seiner Zeit noch nicht relevant, nicht für den Fluss an Informationen, Nachrichten, der uns jeden Tag mit sich hinwegreißt. Da werden wir immer wieder mit dem gleichen Wasser gewaschen: Kriege auf dieser Welt, schwache Wirtschaft, hohe Preise, Elend, Selbstdarstellungen in allen möglichen Inszenierungen, Übergriffigkeiten in allen Varianten. Vom „T-Rex“ aus Amerika will wohl niemand mehr etwas hören, sehen, lesen, von diesem Saurier, der sich auch als König versteht, zumindest wenn man sich seinen Hofstaat in den Unterwerfungsgesten ansieht. Ich schmunzelte am Freitag zwar noch gerne über die Geschichte mit den geschenkten Schuhen an die Leute seines engsten Kreises, zu groß, sie schlurfen darin herum, weil sie sich nicht trauen, die Lacktreter nicht zu tragen. Es sind ja Geschenke des Königs. In zu großen steckt zum Beispiel Außenminister Marco Rubio, schönes Sinnbild, dass er die Schuhe seines Amts nicht füllt.

Egal! Denn da ist er ja schon wieder, so ein Wirbel, dieser Strudel des immer gleichen Nachrichtenflusses, der einen in sich hineinzuziehen droht. Nichts wie hinaus! Ich lade ein, es mir gleich zu tun.

In Tagen wie diesen lasse ich mir sehr gern ein Bad in stilistisch herausragender Sprache und guten Inhalten ein. In das lege ich mich und dort plätschert mein Gehirn in Lektüre von Texten mit gut gewählten Wörtern, betörend klaren Sätzen, die kluge Gedanken fassen, konkret zurzeit wieder einmal jenen von Ariadne von Schirach. Ihre Erkenntnisse, die die drei Bände im Schwesternlook (siehe Beitragsbild, #notspons) tragen, sind schon länger auf dem Buchmarkt, „Die psychotische Gesellschaft“ seit 2021, „Der Tanz der Lust“ seit 2022, „Du sollst nicht funktionieren“ sogar seit 2014. Die Gültigkeit des darin Gesagten, also Geschriebenen hilft einem, in der stürmischen See der Gegenwart doch einen Kurs des Vertrauens zu halten. Ja, es schaukelt einen auf und ab, Krise ist ja eigentlich immer. Ich liebe darum Autorinnen und Autoren, die mir, meinem Gehirn, meiner Seele durch ihre Erkenntnisse in gewählt schöner Sprache Ruhe, Klarheit, Entspannung gönnen. Wenn Wissenschaft im essayistischen Kleid eleganten Schreibstils, erzählerisch aufgefrischt mit kleinen Geschichten und Personal, das wie im Service Design sogenannte „Personas“, also beispielgebende Lebensbilder, einbringt, daherkommt, macht mich das glücklich. Es entlastet, weil man sich im eigenen Grübeln verstanden und in den Texten auf- und angenommen fühlen darf. Eine Verbeugung mit tiefem Dank also vor Ariadne von Schirach, und ein Plädoyer fürs Lesen als Alltagsbewältigungshilfe. Ich pflege es mir.

Achja, am kommenden Donnerstag beginnt die diesjährige Leipziger Buchmesse, von der alle schwärmen, dass sie in Sachen des Produkts, das sie präsentiert, mehr knistert als die große Veranstaltung im Oktober in Frankfurt. Die repräsentiert eher den kühlen business touch der Branche. Ein Besuch der Messe in Leipzig in dieser Jahreszeit ist mit meiner beruflichen Tätigkeit nicht kompatibel, steht also auf Wartelistenposition, da aber sehr weit oben, für eine Zeit, die irgendwann einmal kommt.

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