Das Verhältnis von Österreich zur weltumspannenden Sportart Fußball definiert sich seit eh und je, naja, vorsichtig formuliert: ambivalent. Wie fasse ich unsere Position zum Fußball knapp zusammen? Weil es in solchen Situationen dann immer passt („small country“ und so) mit Englisch, ganz bescheidenem Englisch, so wie es Politiker und Sportspitzenfunktionäre sprechen. Die legen solche Sätze vor. Ich schiebe einen nach: „This land is too small to play good soccer!“
Der Satz stimmt, wenn man sich die vergangenen Jahre der Bundesliga ansieht. Dominant: eine Mannschaft, energiebestärkt aus der Dose und dem mit dieser, also der Marke, weltweit verdienten Sponsorengeld, mit dem man Kicker von Weltformat ins kleine österreichische Fußballland holen kann. Die zehnjährige Meisterserie dieses Klubs riss erst vor zwei Jahren ab. Seitdem hielt ein anderer zweimal die Schale für Platz 1 hoch. Die Wiener Traditionsvereine kommen längst nicht mehr dorthin. Klubfußball hierzulande besteht nur inländisch, in den europäischen Wettbewerben bleibt der Erfolg heimischer Spitzenvereine zumeist sehr bescheiden.
Das Nationalteam, eine Ansammlung von Legionären, die die Kunst des Transports eines Balls mit Fuß und Kopf übers Feld ins gegnerische Tor anderswo perfektioniert haben, die aber zu elft für Rot-Weiß-Rot zusammenspielen können, qualifizierte sich nun wiederum für eine Endrunde einer Weltmeisterschaft. Zuletzt, in dieser Jahreszeit vor drei Jahren in Katar durchgeführt, witzelten wir damals das Scheitern in der Qualifikation noch damit weg, dass die Burschen nicht vor Weihnachten in der Wüstenhitze und im ökologischen Super-GAU dieses Events (voll klimatisierte Stadien etcetera) dem Ball nachlaufen wollten. Im kommenden Jahr 2026 in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko tun sie es wieder.
Die Jugendmoderatorin jenes Senders, der mein Aufwachsen begleitete und sich schändlich, nahezu altersdiskriminierend von dieser (meiner!) Generation losgelöst hat (er bedudelt mich nur noch bei Autofahrten), war der Hysterie aus ihr selbst nicht mehr Frau oder Kind. Ihre überbegeisterte Stimme kippte, denn: „Ich werde erstmals erleben, dass Österreich bei einer WM dabei ist.“ Mein Gott! Danke fürs spürbare Alter! Zuletzt erlebte ich Österreich bei der WM 1998 in Frankreich, ich schaute, nur dann, wann es ging, wir wurden zuvor gerade Eltern und der Star in unserem Leben war gerade drei Monate jung und hielt uns richtig sportlich auf Trab. Zuvor: 1990 in Italien, 1982 in Spanien (die beschämende Stehpartie in Gijón gegen Deutschland, ausgemachter Nichtangriffspakt, das spanische Publikum winkte das mit weißen Taschentüchern weg) und 1978 natürlich in Argentinien (legendäres Cordoba mit dem Helden und zweifachen Torschützen Hans Krankl). Viermal miterlebt.
Das A-Team fährt also auf den nordamerikanischen Kontinent. Im Schatten seiner Qualifikation spielte sich aber die U17-Truppe in Katar (warum schon wieder dort?) am vergangenen Montag durchs Semi- ins richtige Finale. Zumindest den Vizeweltmeistertitel (in Fußball!) hatte das Land durch die Buben da schon mal gesichert. Am Donnerstag lehrte Portugal uns dann doch, wie man richtig (jung)weltmeisterlich Fußball spielt. Irgendwie so etwas wie Wiederherstellung einer globalen, zumindest einer europäischen Fußballordnung, Sport, wie er in Stärke dann und dort gelebt wird, je nach Land, Fördermöglichkeiten und -schwerpunkten, nach den topographischen Voraussetzungen, und vor allem nach wahrer Leidenschaft.
Unsereins in Österreich gehört ja die Welt des Wintersports, das Alpine, das Schifahren, da sind wir wer. Das sieht man ganz klar an den ersten Rennen (viermal Slalom) dieser Saison. Da gingen die Siege bei den Herren an Brasilien und Frankreich, bei den Damen nach Amerika. Die Österreicher und Österreicherinnen? Im Schifahren sind wir wer. Gewesen.
(Ich wittere Rache des Österreichischen Schiverbands an der vorbereiteten Satire, zwei Tage vor ihrem Erscheinen. Nein, passt schon, dank Stefan Brennsteiner kamen wir zurück, zumindest punktuell! Das Zeitalter der großen Dominanz Österreichs im alpinen Schisport ist allerdings vorbei!)
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