Soziales Handeln

Wochenendentsorgung

Hier gleich um die Ecke findet jede und jeder, die/der etwas loswerden möchte, Container für Altpapier, Plastik, Metall, Glas, Alttextilien, leere Batterien und vor allem Grünschnitt, Stationen, die die Stadt errichtet hat, sodass sich die Bürgerin bzw. der Bürger sortiert belastenden Besitzes entledigen kann.

Die Stadt ist hier keineswegs faul, die Abholintervalle sind hoch, und fiele einer der Takte gar auf einen Feiertag, die jeweiligen Lastkraftwägen fahren dennoch vor, um rasch und manchmal mit dementsprechendem Sound (wenn so eine große Metallbüchse mit Weiß- oder Buntglas in eine Ladefläche klirrt, kann das schon etwas!) Fassungsraum wieder frei zu machen.

Das ist auch dringend notwendig, vor allem auf einen Freitag zu, selbst dann samstags und auch der Tag des Herrn kennt für manche, die ihren Autokennzeichen folgend gar nicht geringe Anfahrtsstrecken und -zeiten auf sich nehmen, das Hochamt der Abfallwirtschaft.

Wochenenden. Sie scheinen den Menschen vorrangig Zeit zu geben zu entsorgen, dem Soziologen Harald Welzer folgend eine Handlung, um sich von der Belastung zu Hause mit Konsumgut und der damit verbundenen Energie zu befreien, um die bereit gestellte Infrastruktur für Aufbewahrung zu entlasten. Unser Konsum füllt diese ganz rasch wiederum. Nicht wir konsumieren, sondern die Produkte konsumieren uns, schrieb Welzer in „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“ (8. Aufl., Frankfurt 2017).

So wie der Pilgerstrom zum Container-Platz zu einer darum opferähnlichen Über- und Abgabe anhält, scheint die Okkupation von Zeit dadurch am Wochenende schon auch dergestalt, dass sich das Wort „Wochenendentsorgung“ nur noch in seiner Doppeldeutigkeit lesen und verstehen lässt, je nachdem, welchen Teil des Kompositums man inhaltlich stärker gewichten möchte. Das Entsorgen an sich, halt am Wochenende, oder seine Rückwirkung zu Lasten der ohnedies knappen Erholungszeit an einem Freitagnachmittag, Samstag und Sonntag. Bei manchen, die an den zweieinhalb Tagen vorfahren, erkenne ich eher die Bedeutung, dass sie hier ihr Wochenende entsorgen.

Symbolfoto: Pexels/Free Photo Library

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