Medien

Kult am Sonntagabend

In einer schnelllebigen Branche wie dem Fernsehen kommt dem schon ein gewisser Sonderstatus zu, wenn sich ein Sendeformat rühmen kann, einen magisch runden Geburtstag zu feiern.

Am kommenden Sonntag ist es für „Tatort“ so weit: Auf den Tag vor genau 50 Jahren wurde erstmals ermittelt und zwar unter dem Folgentitel „Taxi nach Leipzig“. Seither folgten nicht weniger als 1145 in sich abgeschlossene Kriminalfilme (manche zweiteilig, manche darunter nehmen auch Vorgeschichten wieder auf). Die Idee mit dem unterschiedlichen Lokalkolorit je nach Region für Ermittelnde, ob Frau, ob Mann, ob Team, besticht nach wie vor und sie hat sich natürlich vor allem über die Schauspielerpersönlichkeiten, die ins Fach der Kommissarin oder des Kommissars schlüpfen, seit Anbeginn jenen Kult aufgebaut, dem man verfallen kann.

Irgendwie erscheint mir die Serie als ein Spiegel der eigenen kriminalistischen „Spürhund“-Seele, denn als Rezipient gehört man ja mit zum Team und im „Tatort“ liegt so etwas wie ein Mittel, sein eigenes Gemüt zu bestimmen, auch im Wandel. Ja, ich war vor Jahren sehr in meiner vor dem Fernsehbildschirm gelebten Ermittlungsarbeit vom bayerischen Duo Batic und Leitmayr angetan, wanderte aber dann weiter und fand mich mehr bei Ballauf und Schenk in Köln. Auch entdeckte ich an mir selbst immer wieder auch Charakterzüge des (leider soeben abgelösten) Schweizer Kollegen Reto Flückiger. Mit Thiel und Börne stürze ich mich gerne ins Satyrspiel zu all den Verbrechen, die im deutschsprachigen Mitteleuropa im Fernsehen verfolgt und deren Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden wollen. Nebenbei bemerkt: Die jüngste Variante aus Münster mit Titel „Limbus“ bot vom Drehbuch her nicht nur eine famose Grundlage für ein Schauspielerfest, sondern paarte Slapstick mit Philosophie und leuchtete das Thema Tod, mit dem wir uns zu Halloween, Allerheiligen und Allerseelen bewusst konfrontieren, kafkaesk-komisch aus.

Gar nicht zum Lachen finden wir Fans Versuche von Modernisierungen des Vorspanns der Fernsehserie. Ja, da gab es tatsächlich Ansätze. Allerdings nur kurz: Das Publikum hat hier Macht! Die ästhetische Huldigung aus der Entstehungszeit (Augen, Beine des Flüchtenden, Grafik) veredelt somit weiterhin den Start ins prime-time-Standardprogramm am Sonntagabend, untrennbar verbunden mit der Kennmelodie von Klaus Doldinger. Und das sicher auch noch die nächsten fünfzig Jahre!

Foto: Pexels/Free Photo Library

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