Author Archives

Peter Klimitsch

Irgendwie ist immer Krise

Ich laufe heute bewusst Gefahr, auf dem Terrain nostalgisch gestimmter Besserwisserei auszurutschen. Der Boden wurde möglicherweise zusätzlich mit dem Mittel „Früher war alles besser“ aufpoliert. Noch dazu geht dieser Text am Vorabend zu meinem halbrunden Geburtstag online. Es kann also nur schiefgehen. Ich stoße mich in diesem Frühjahr […]

Unsere Pandemie-Psychosen

Am vorvergangenen Samstag verlasse ich zu Mittag meine Wohnung in Richtung Sport und begegne im Stiegenhaus dem Herrn Nachbar. „Wen trifft man denn da?“, grüßt er mich und dann gleich weiter: „Jetzt hab´ auch ich Corona gehabt!“ – „Naaa geh!“, antworte ich, österreichisch für „nein, so ein Blödsinn!“, […]

Du sollst dir kein Bild machen

Unverdächtig wie kaum ein anderer kann sich Doron Rabinovici in seinem Roman „Die Einstellung“ (Suhrkamp) in Fiktion eine Szene konstruieren, die der Frage nachgeht, wo der Mensch in den Rollen seiner Öffentlichkeit bleibt, da der populistische Spitzenkandidat vor einer Wahl, dort ein versierter Pressefotograf, Sparring-Partner im Ring, jeder […]

Kleingedrucktes

Wie soll ich das lesen können? Ja, ich bin ein alter weißer Mann, trage Brille, schätze aber meinen eigentlich scharfen Blick. Das Brillenglas vorm linken Auge gleicht seit eh und je eine Verkrümmung der Hornhaut aus, rechts habe ich de facto Fensterglas, mehr ist es nicht. An diesem […]

Darum darf auf dem Kopf nicht sein

Zwar erschien es wie ein frühzeitiger Aprilscherz, war aber keiner. Mitte der vergangenen Woche verbreitete die Künstlerin selbst das an sie gerichtete Absageschreiben von FridaysForFuture (FFF) Hannover für einen Auftritt beim „earth strike“ gestern Freitag. Grund: die Dreadlocks der Ronja Maltzahn, sie ist Musikerin, spielt Cello, Gitarre, Ukulele […]

Über Betroffenheit, wie sie gar seltsame Blüten treibt

Da standen gestern Zehntausende im Ernst-Happel-Stadion in Wien zusammen für die Ukraine („We stand with Ukraine“) und lauschten den von der cash cow der öffentlich-rechtlichen Radioprogramme Österreichs, also von Ö3, ohnedies permanent promoteten „Aushängeschildern“ zeitgemäßer österreichischer Unterhaltungsmusik. Ich würde meinen, da war auch gehörig Druck im Spiel. Die […]

Begegnung mit Busek

Das trifft mich an diesem Montagvormittag. In meinem Büro ist auf meinem Bildschirm orf.at stets offen. Das kommt daher, dass in Pandemie-Belangen wichtige Botschaften fürs Schulsystem zuallererst hier erscheinen. Intern nennen wir das Portal darum schelmisch gern „Dienstpost“. Am heutigen Vormittag auf orf.at dann diese Meldung: Erhard Busek […]

Russische Kälte

Kurz nach dem Jahreswechsel wurde der Schwiegervater eifrig. Im Heizungskeller fand er den Ort seiner Vermessungsarbeiten. Styroporplatten sollten zwischen Heizungsrohren und den um die sieben Grad kühlen Kellerwänden Abschirmung bieten. Wegen der russischen Kälte, sagte er. Wir sahen sie meteorologisch nicht wirklich kommen. Nicht im Jänner, nicht im […]

Beckenrand-Bagatellen

Als Bagatelle bezeichnet man eine unbedeutende, geringfügige Angelegenheit, eine Kleinigkeit, eigentlich nicht wirklich der Rede oder des Schreibens wert. Zu ihr gehört, sie Nebensache sein zu lassen. Sie drängt sich trotzdem in der Wahrnehmung auf und kitzelt ein wenig die Nerven, zum Beispiel beim Schwimmtraining. Darum gönne ich […]