Medien

Bye, Brits!

Jetzt passiert es also wirklich. Brexit! Dass wir den erleben: hätten wir das noch irgendwie für tatsächlich möglich erachtet? Nach den Wahlen im Dezember und dem Sieg von Boris Johnson inklusive seiner banal-logischen Interpretation, darin den Auftrag zum Vollzug zu sehen, stieg die Wahrscheinlichkeit rapide an. Wie weggewischt erscheinen uns nun lieb gewonnene Bilder und Diskurse aus dem House of Commons, dicht gedrängte Abgeordnetenmassen, „Yeahyeahyeah´s“ einmal zu den Ausführungen der Tories, dann zu jenen der Labours. Und wenn der Tumult der parlamentarischen Demokratie zu laut und unkoordiniert geworden ist: „Order!“ vom Speaker.

Es war schön zuzusehen, zuzuhören und auch verständnislos den Kopf zu schütteln, weil sich ja doch nur bewiesen hat, welche Tür ins Nichts aufgestoßen wird, wenn der Populismus politischen Handlungsraum bekommt. Kurz zur Erinnerung: das Referendum fand am 23. Juni 2016 statt. Nach der Rechtswirksamkeit des Austrittsansuchens gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union von Ende März 2017 stotterte sich die Insel über drei Terminverschiebungen zum Ausstieg nun mit 31. Jänner 2020. Die gut dreieinhalbjährige Causa prima kostete jede Menge Nerven, Geld, Gesprächsfrieden beim Dinner in Familien.

Was es nun wirklich bedeutet, Leaver zu sein, werden erst die kommenden Monate beweisen. Die Situation hat sich streng genommen wenig von dem entfernt, was in meiner Lieblingsmetapher zur britischen Austrittsbewegung aus der Europäischen Union ausgedrückt wird. Sie stammt von James O´Brien, auf LBC (Leading Britain´s Conversation) Radio verglich er den Ausstieg mit einem falschen Feueralarm, in Auszügen und in freier Übersetzung: „Wenn ich in einem Raum mit vielen Menschen „Feuer“ schreie, ist es kein Fehler, in Richtung Türe zu laufen. Die einzige Person, der man Vorwürfe machen muss, ist die, die Feuer gerufen hat, obwohl es kein Feuer gegeben hat (…) 52% der Wähler haben den Ruf gehört und liefen, 48% fragten sich, wohin? 48% kapierten sehr rasch, dass da kein Feuer ist, aber 52% rannten in Richtung Tür und drängten alle aus dem Weg und bestanden darauf, dass die anderen mit ihnen kamen (…) Wir sind verwundert, dass das Gebäude, das brennen sollte, immer noch steht. Wir finden uns alle am Sammelplatz ein und frösteln nun draußen. (…) Das Problem ist, dass die Leute, die „Feuer“ riefen, die Richtung Notausgang liefen, mit uns nun draußen stehen und frieren und noch immer nicht zugeben können, dass da kein Feuer war.“

Foto: Blick auf Pier Head – Liverpool ist eine Stadt, deren Wandel zu einer florierenden Arbeits- und Lebenswelt ohne Unterstützung der Europäischen Union nicht hätte gelingen können. Die Liverpudlians wissen das: 58,2 Prozent stimmten 2016 für Remain.

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