Medien

Der Mann bringt Quote

Reden wir heute also über Österreichs zur Zeit schönste Nebensache, konkret geht es also um die staatstragende Frage, ob Stefan Petzner tanzen (lernen) kann. Die Antwort ist selten klar und einfach: Nein. Zweite Frage also: Was hat er dann weiterhin in einem Familienformat von Unterhaltungsprogramm namens „Dancing Stars“ (ORF) zur prime time am Freitagabend zu suchen? Antwort: Den Gral der Heilsversprechung jedes Fernsehsenders, nämlich wie man die Einschaltquoten in die Höhe treibt. Er hat ihn gefunden.

Denn da funktioniert weiterhin das Prinzip von Brot und Spielen, die Geilheit an der Qual, dem Streit, die Sehnsucht nach dem Eklat und seinen Steigerungsformen, das Nähren dieses Feuers, in dem man Öl in es hineingießt. Niemand versteht das so gut wie Stefan Petzner aus dem Kreis jener sogenannten „Buberlpartie“ (einer Gruppierung junger Männer, blasierter Möchte-Gerns, denen frei von Wissen und Charakter Zugang zu Macht und Positionen gelegt worden waren), also von Mitläufern rundum den ehemaligen freiheitlichen Parteichef Jörg Haider. Petzner beweinte im Oktober 2008 den Unfalltod seines „Lebensmenschen“ in die Nachrichtenkameras hinein und saß dann in der Ablegerpartei des politischen Übervaters sogar noch im Nationalrat, bis dieses Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) nach der nächsten Wahl daraus verschwunden war.

Petzner macht in der Show, was er immer gemacht hat: durch missliebiges Verhalten, unangebrachte Sprüche und penetrante Präsentation von Nichts-Können die Stimmung anheizen. Wir schenken unsere Aufmerksamkeit also einem ordentlichen Maß an Unfähigkeit. Darin ist die Show so etwas wie ein Sinnbild der Gegenwart und sie erbringt zugleich den Beweis, dass Handlungsstile des Populismus nicht auf politische Formate begrenzbar scheinen, sondern sogar im Unterhaltungsprogramm eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens ankommen können. Und dort die Massen bewegen, die für ihn und seinen Verbleib anrufen, sei´s aus Mitleid und Erbarmen für die Schwerstarbeit leistende Profi-Tänzerin an seiner Seite oder aus der Lust an seinem Leiden, seinen schrägen Interaktionen und in Befriedigung unersättlicher Schaulust und Sensationsgier.

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