Politik

Die Irrungen des jungen H.

Er tut mir Leid, der junge H., 18 Jahre ist er, zur Zeit leistet er seinen Dienst beim österreichischen Bundesheer. Zum zweiten Mal, nun allerdings mit Vollname und Abbildung in den Medien, bekommt er breite Öffentlichkeit.

Im Frühjahr 2017 trat er noch als Schüler in Erscheinung. Während eines Vortrags über Extremismus an einem Oberstufengymnasium in Linz griff er zu seinem Smartphone und verständigte seinen Papi. Der ist Nationalratsabgeordneter der freiheitlichen Partei. Der Sohn meldete sein Unbehagen über den Vortragenden. Sein Papi wollte das gleich richten, rief den Schuldirektor an und erzwang den Abbruch der Veranstaltung, den die zuständige Schulbehörde in ihrer daraufhin durchgeführten Untersuchung als nicht zulässig erachtete. Dass wohl wie in jeder Schulhausordnung der Mobiltelefongebrauch während des Unterrichts (der Gastvortrag galt bestimmt als solcher) nicht gestattet gewesen sein kann, wurde hoffentlich geahndet, auch wenn öffentlich dazu nichts bekannt wurde.

In der vergangenen Woche nun bekam der junge H. eine Auszeichnung, die Franz-Dinghofer-Medaille (zu den Hintergründen verweise ich auf dieses Dossier), laut Presseaussendung des österreichischen Parlaments für „Verdienste um die Demokratie“. Der junge H. erschien in Uniform zur Verleihung. Ob er selbst die Idee hatte oder der eines Zuflüsterers folgte, sich über der Uniform das schwarz-rot-goldene Band seiner Burschenschaft anzulegen, wissen wir nicht. Laut Sprecher des Militärs sind nur die Konsequenzen dieser Verletzung der Allgemeinen Dienstvorschrift (ADV) klar: ein Disziplinarverfahren steht an. Beim Tragen der Uniform darf nichts ergänzt werden. Für bestimmte Veranstaltungen, die Verleihung wäre in diese Kategorie gefallen, bedarf das Tragen sogar einer Genehmigung des Militärkommandanten. Die hatte der junge H. nicht.

Da steht er nun und versteht wohl seine Welt nicht mehr: geehrt für Denunziation als Leistung für die österreichische Demokratie, demnächst disziplinär gemaßregelt vom Bundesheer. Das schreibt diesem jungen Erwachsenen Spuren in die Biografie, die ein Leben lang bleiben werden. Und das, weil er in einem Umfeld unterwegs ist, dem die unbedarfte Verführbarkeit des jungen H. gelegen kommt und das darum nach seinen Interessen mit ihm und seiner Zukunft spielt.

Foto: Die Franz-Dinghofer-Medaille – (c) Parlamentsdirektion/Thomas Topf

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